Was alle Blicke auf sich lenkt

 Credit: Thinkstock
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Die Augen sind die Fenster zur Seele, heißt es ? doch offenbar stehen sie nicht als Erstes im Fokus des Blicks, wenn man Informationen über seine Mitmenschen sammelt. US-Forschern zufolge schaut der Mensch vielmehr zuerst auf einen Punkt etwas unterhalb der Mitte zwischen beiden Augen. Dadurch erfasst er die Gesichtsinformationen am besten, berichten Miguel Eckstein und Matt Peterson von der University of California in Santa Barbara.
Identität, Geschlecht und emotionaler Zustand: Blitzartig registrieren wir diese Aspekte bei unseren Mitmenschen, denn sie enthalten wichtige Informationen für das Zusammenleben. Um sie zu erfassen, geht der Blick dabei automatisch ins Gesicht des Gegenübers, vor allem die Augen gelten dabei als Schlüsselreiz und Blickfang. Doch auch andere Teile des Gesichts bilden wichtige Informationsträger, betonen die Forscher. Mit Hilfe einer Studie sind sie dem Blickmuster des Menschen beim Erfassen von Gesichtern nun genauer auf die Spur gekommen.

Sie präsentierten Probanden dazu Bilder von bekannten Persönlichkeiten. Ihre Aufgabe war es, möglichst schnell zu erkennen, um wen es sich handelt, oder zumindest das Geschlecht der abgebildeten Person festzustellen. Außerdem wurden sie nach der emotionalen Verfassung der Menschen auf den Fotos befragt. Während dieser Tests überwachte ein sogenanntes ?Eye-Tracking?-System die Blicke der Betrachter und offenbarte dadurch die Fixierungspunkte.

Ein Fixpunkt für den Gesamteindruck

Die Auswertungen ergaben, dass in den ersten entscheidenden Momenten der visuellen Erfassung einer Person die Augen der meisten Menschen einen bestimmten Punkt fixieren: Sie blicken auf den oberen Teil der Nase, etwas unterhalb der Mitte zwischen den Augen. Dieser Brennpunkt liefert an sich eigentlich gar keine wichtigen Informationen, doch er bildet gleichsam einen idealen Ankerpunkt, um aus der Distanz alle Aspekte des Gesichts gleichzeitig aufnehmen zu können, erklären die Forscher. So kann unser Gehirn Informationen von Augen, Mund, Nase und der gesamten Gesichtsform parallel erfassen: Ein starrer Blick, eine gerümpfte Nase und ein hängender Mundwinkel in einem feminin geformten Gesicht ? und sofort ist klar, dass man eine Frau vor sich hat, die sich vor etwas ekelt.

Dass es sich bei dem Fixierungspunkt um den idealen Ankerpunkt für den Gesamteindruck handelt, konnten die Forscher ebenfalls experimentell belegen: Wurden die Probanden gebeten, beim Erscheinen eines Bildes gezielt auf einen bestimmten anderen Punkt zu blicken, wurden ihre Leistungen beim Erkennen und Beurteilen der Gesichter schlechter.

Die Untersuchungen der Forscher offenbarten auch einen weiteren interessanten Aspekt: Nicht alle Menschen nutzen den optimalen Blickpunkt. Sie wollen nun in weiteren Untersuchungen herausfinden, ob es dabei einen Zusammenhang mit psychischen Auffälligkeiten gibt. Es ist beispielsweise bereits bekannt, dass Menschen, die unter Schizophrenie oder Autismus leiden, ungewöhnliche Blickbewegungen zeigen.
Miguel Eckstein und Matt Peterson (University of California in Santa Barbara): PNAS, doi:10.1073/pnas.1214269109

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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