Der Duft der Emotion

 Credit: David Shankbone / Wikipedia
Credit: David Shankbone / Wikipedia
Menschen verströmen bei Angst und Ekel Geruchsstoffe, die andere unbewusst in Alarmzustand versetzen. Diese Form der Informationsübermittlung durch chemische Signale konnten niederländische Forscher nun beim Menschen experimentell belegen.
Viele Tiere senden ihren Artgenossen Botschaften über Geruchsstoffe. Inwieweit diese sogenannten Chemosignale aber auch bei der Kommunikation des Menschen eine Rolle spielen, ist bisher ziemlich unklar. Allerdings galt es eher als unwahrscheinlich, dass der Geruch eine wesentliche Rolle spielt ? die meisten Wissenschaftler glauben, dass Menschen Informationen hauptsächlich über Sprache und den Sehsinn austauschen. Jasper de Groot und seine Kollegen von der Universität Utrecht kommen nun jedoch zu einer ganz anderen Schlussfolgerung: Ihren Ergebnissen zufolge mischt die Nase durchaus mit.

Die Forscher untersuchten, ob es eine emotionale ?Riech-Kommunikation? gibt, am Beispiel von zwei wichtigen Gefühlen: Angst und Ekel. Die Vermittlung dieser Zustände kann überlebenswichtig sein. Eine Person in Angst kann andere warnen, so dass sie sich auf eine Gefahr vorbereiten können. Bei Ekel lautet die Botschaft dagegen: Achtung, hier herrscht Vergiftungs- oder Ansteckungsgefahr. Beide Emotionen spiegeln sich im Gesicht und in körperlichen Reaktionen von Menschen wider, wie frühere Studien gezeigt hatten. Bei Angst steigt die Atmungsrate, die Augen weiten sich und bewegen sich schneller. Bei Ekel senken wir dagegen die Augenbrauen, rümpfen die Nase und saugen weniger der potenziell schädlichen Luft in uns ein. Diese sichtbaren Reaktionen sind wichtige Signale, die unseren Mitmenschen Informationen über unseren Zustand vermitteln.

Angst und Ekel liegen in der Luft

Ob diese Informationen parallel auch über den Geruchssinn verbreitet werden, testeten die Forscher durch Experimente mit Freiwilligen: Sie sammelten Geruchsproben von Männern, während diese angstmachende beziehungsweise ekelerregende Filme ansahen. Anschließend setzten sie Frauen diesen Geruchsproben aus, die gerade Aufgaben an einem Computerbildschirm lösten. Durch Kameras zeichneten die Forscher dabei auf, wie sich die Gesichtsausdrücke der Probandinnen veränderten, wenn sie die entsprechenden Ausdünstungen rochen.

Die Auswertungen der Kameraaufzeichnungen offenbarten, dass Frauen, die mit den Angstproben konfrontiert waren, tatsächlich auch ängstliche Gesichtsausdrücke machten, verstärkt atmeten und ihre Augen schneller bewegten. Probandinnen, die dagegen die Chemosignale der angeekelten Männer zu schnuppern bekamen, zeigten entsprechend angewiderte Gesichter und verlangsamten ihre Atmung.

Befragungen zufolge waren den Frauen diese Reaktionen allerdings nicht bewusst. Es gab auch keinen Zusammenhang zwischen den Effekten und der Intensität der Geruchswahrnehmung oder der Frage, ob die Probandinnen die ?Düfte? als unangenehm oder nicht empfunden hatten. Die Forscher vermuten deshalb, dass Chemosignale möglicherweise generell dazu dienen, Menschen unbewusst emotional zu synchronisieren. Dies könnte beispielsweise eine Rolle bei der emotionalen Ansteckung in Menschenmassen spielen, meinen de Groot und seine Kollegen.
Jasper de Groot (Universität Utrecht) et al.: Psychological Science, doi:10.1177/0956797612445317

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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