Müde Gier

 Credit: rudolf ortner / pixelio.de
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US-Forscher haben eine Erklärung dafür gefunden, warum Menschen mit Schlafproblemen zu Übergewicht neigen: Übermüdete Gehirne reagieren demnach stärker beim Anblick von Junkfood und vernünftiges Essverhalten fällt unausgeschlafenen Personen deutlich schwerer als ausgeruhten Menschen. Diesen Zusammenhang offenbarten Untersuchungen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) von zwei unabhängigen Forschergruppen. Darüber berichteten sie auf dem jährlichen Treffen der Associated Professional Sleep Societies in Boston.
Das Forscherteam um Marie-Pierre St-Onge von der Columbia University führte Untersuchung mit 25 normalgewichtigen Frauen und Männern durch. Bei einem Versuchsdurchlauf durften die Probanden fünf Nächte lang nur vier Stunden schlafen, bei einem zweiten dagegen so lange sie wollten. Nach dem jeweiligen Schlafverhalten erfassten die Forscher mittels fMRI, wie das Gehirn der Versuchsteilnehmer auf den Anblick von ungesundem, beziehungsweise gesundem Essen reagierte.

Der Vergleich zeigte, dass das Gehirn der Probanden beim Anblick von Junkfood deutlich höhere Aktivität in den Belohnungszentren aufwies, wenn sie unausgeschlafen waren. Den Forschern zufolge untermauert dieses Ergebnis frühere Studien, wonach Menschen nach Schlafentzug ein höheres Bedürfnis nach besonders deftigem oder süßem Essen verspüren.

Schlafmangel knipst den Verstand aus

Warum sich diese Lust auf ungesundes Essen so schwer kontrollieren lässt, zeigt die zweite aktuelle Studie: Forscher der University of California haben 23 gesunde Probanden eine Nacht ausschlafen lassen, ein anderes Mal haben sie sie dagegen früh geweckt. Beide Male wurde dann die Gehirnaktivität während Tests mittels fMRI erfasst: Die Teilnehmer sollten bewerten, wie groß ihre Lust auf bestimmte Nahrungsmittel ist. Die Gehirnaktivität offenbarte dabei, dass der Schlafentzug offenbar Funktionen im Frontallappen beeinträchtigt, der für seine Bedeutung bei Verstandesentscheidungen bekannt ist. Ist dieser Kontrollmechanismus außer Kraft gesetzt, fällt Menschen eine sinnvolle und gesunde Nahrungswahl schwer, erklären die Forscher.

Frühere Studien haben bereits die Bedeutung von nachhaltigem Schlafmangel bei der Neigung zu Übergewicht und Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 belegt. Die aktuellen Studien zeigen nun, dass dafür der Verlust von Kontrollfunktionen im Gehirn übermüdeter Menschen verantwortlich ist. So fällt ihnen eine sinnvolle Entscheidung bei der Auswahl ihres Essens schwer und sie greifen letztendlich bevorzugt zu ungesundem Essen.
Vorträge auf dem jährlichen Treffen der Associated Professional Sleep Societies in Boston

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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