So klingen Gewinner!

Männliche und weibliche Kandidaten mit vergleichsweise tiefer Stimmlage besitzen bei Wahlen einen Vorteil - das hat zumindest eine Studie eines US-Forscherteams herausgefunden. Das Ergebnis macht erneut deutlich, wie entscheidend persönliche Eigenschaften eines Politikers und nicht nur sein Parteiprogramm im Wahlkampf sind, sagen Casey Klofstad von der University of Miami und seine Kollegen.
Um die Vorlieben von Wählern für bestimmte Stimmlagen zu untersuchen, machten die Wissenschaftler Aufnahmen von weiblichen und männlichen Probanden, die alle den gleichen Satz sprechen sollten: "Ich fordere Sie auf, im November dieses Jahres für mich zu stimmen." Die Audiodateien wurden anschließend digital manipuliert, um ihnen eine höhere oder tiefere Tonlage zu geben. Diese unterschiedlichen Versionen der Aufnahmen spielte das Forscherteam nun 87 männlichen und 86 weiblichen Studienteilnehmern vor. Sie sollten entscheiden, welchem Kandidaten sie intuitiv anhand des jeweiligen Höreindruckes ihre Stimme geben würden. In einem separaten Experiment wurden die Teilnehmer außerdem gebeten, den Sprachbeispielen Wertungen für spezielle Eigenschaften wie Stärke, Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit zuzuordnen.

Es hatte bereits zuvor ähnliche Untersuchungen gegeben, die nahelegten, dass Wähler politische Kandidaten mit tiefen Stimmen bevorzugen. Für diese Studien waren allerdings aufgezeichnete Stimmen von ehemaligen US-Präsidenten verwendet worden, was die Ergebnisse verfälscht haben könnte, da manche Probanden die Stimmen möglicherweise erkannt hatten und ihre Entscheidung deshalb auf politischen Einstellungen basierten. Außerdem war bei diesen Untersuchungen der Aspekt der unterschiedlichen Geschlechter nicht Teil der Studie.

Tonlage ist im Experiment wahlentscheidend

Die aktuellen Ergebnisse von Casey Klofstad und seinen Kollegen zeigten nun, dass sowohl die weiblichen als auch die männlichen Versuchsteilnehmer bevorzugt die hypothetischen Kandidaten mit den tiefen Stimmlagen ?wählten?, unabhängig vom Geschlecht des Sprechers. Sowohl die Männer als auch die Frauen der Studie nahmen weibliche Sprecherinnen mit höheren Stimmen als tendenziell weniger stark, kompetent und vertrauenswürdig wahr. Interessanterweise empfanden die Männer dies auch bei den höheren Männerstimmen so, die Frauen dagegen nicht ? sie ordneten den tiefen Männerstimmen keine besseren Werte bezüglich dieser Eigenschaften zu. Offenbar verbinden Frauen diese Charaktereigenschaften eines männlichen Sprechers weniger mit seiner Stimme als Männer, sagen die Wissenschaftler.

Die Studie offenbart den Forschern zufolge einen Teilaspekt der oberflächlichen Urteilsfindung vieler Menschen in Demokratien: Persönliche Eigenschaften politischer Kandidaten geben oft den Ausschlag für den Erfolg und nicht ihre politischen Ziele. "In diesem Zusammenhang könnte die von Natur aus höhere Stimme von Frauen eine der Ursachen dafür sein, warum sie in Führungspositionen unterrepräsentiert sind?, gibt Casey Klofstad zu bedenken.
Casey Klofstad (University of Miamiet) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1098/rspb.2012.0311

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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