Auslese: Weitere Wissensnews der Woche kompakt

Spannende Kombination: Pythonschlangen und Herzforschung

Einer Studie zufolge könnten in der Art, wie Pythons ihre Riesenmahlzeiten verdauen, Ansätze für Herztherapien stecken. Forscher konnten nun aufklären, wie und warum der Stoffwechsel der Riesenschlangen nach dem Fressen sprunghaft ansteigt und die Organe zu wachsen beginnen. Vor allem das Herz legt dabei kräftig zu: Ab etwa 24 Stunden nach der Nahrungsaufnahme ist es bereits um die Hälfte schwerer. Das tut auch Not, denn die Pumpleistung muss für die Verdauung kräftig steigen, da ein Beutetier durchaus so viel wiegen kann wie die Schlange selbst ? also bis zu 50 Kilogramm. Den Ergebnissen zufolge stecken hinter dem Herz-Wachstum spezielle Triglyzeride und Fettsäuren - die Bestandteile von Ölen und Fetten sind und deren Konzentration im Blut nach dem Fressen rapide ansteigt. Damit sie aber nicht die Blutgefäße verstopfen, aktiviert der Python gleichzeitig ein Schutzenzym, die sogenannte Superoxid-Dismutase. Als die Forscher die Kombination dieser Substanzen Mäusen verabreichten, stellten sie bei den Versuchstieren ebenfalls ein Herzwachstum fest, ohne dass die Nager dabei Schaden nahmen. Die Wissenschaftler wollen nun eine entsprechende Behandlung entwickeln, die bei Herzpatienten auf schonende Weise Herzmuskelzellen wachsen lässt. (Leslie Leinwand, University of Colorade, et al.: Science, doi: 10.1038/nclimate1259)


Früh konform

Bereits Kindergartenkinder passen sich offenbar schon der Mehrheitsmeinung an: Einer Studie zufolge unterstützen Vierjährige oft sogar selbst dann eine Mehrheitsmeinung, wenn sie diese eigentlich für falsch halten. Die Ursache dafür vermuten die Forscher in Gedankengängen, die auch bei Erwachsenen dieses Verhalten steuern, etwa die Sorge um die eigene Akzeptanz in der Gruppe. Für die Studie gaben die Wissenschaftler 96 kleinen Probanden aus 24 Kindergartengruppen Bilderbücher, von denen ein Viertel abweichende Abbildungen enthielten. Anschließend konfrontierten sie die Kinder, die das abgeänderte Buch betrachtet hatten, mit den Aussagen von je drei Altersgenossen, die das normale Buch mit den regulären Abbildungen gesehen hatten. Ergebnis: 18 von 24 schlossen sich den Antworten der Mehrheit auf Fragen zu den Bildern an, obwohl sie eigentlich anderer Meinung sein müssten. Wurden die Kinder dagegen später noch einmal alleine befragt, kam die Wahrheit meist ans Licht. Sechs der Kinder hatten die Mehrheitsmeinung jedoch so verinnerlicht, dass sie auch allein an ihr festhielten. Den Studienverfassern zufolge könnte die Bereitschaft zum Anpassen an Mehrheitsmeinungen entwicklungspsychologisch eine wichtige Rolle bei der Übernahme kulturgeprägter Verhaltensweisen spielen. (Daniel Haun, Max-Planck-Instituten für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, et al.: Child Development, doi: 10.1111/j.1467-8624.2011.01666.x)


Schwertwale: Hautpflege in tropischen Gewässern

Orcas reisen zielstrebig vom eisigen Wasser der Antarktis an die tropischen Küsten Südamerikas und wieder zurück. Wissenschaftlern zufolge unternehmen die Meeressäuger diese Wanderungen wahrscheinlich, um ihre Haut zu pflegen. In den kalten Gewässern der Antarktis bilden sich nämlich dicke Schichten von Kieselalgen auf der Haut der Zahnwale, wodurch sie oft gelblich aussehen. Im warmen Wasser können die Wale diese Algen loswerden und ihr Hautgewebe erneuern, ohne dabei Wärme zu verlieren, erklären die Biologen. Sie stützen diese Vermutung auf die Auswertung des Wanderverhaltens von zwölf mit Sendern markierten Orcas. Das reiselustigste dieser Tiere legte für seine Tropenreise 9.400 Kilometer in nur 42 Tagen zurück, also knapp 224 Kilometer am Tag. Wenn sich die Vermutung über die ?Wellnessreisen? der Wale bestätigen, werfe das ein ganz neues Licht auf Wanderbewegungen von Walen generell, sagen die Forscher. Bislang sei beispielsweise auch noch unklar, warum Bartenwale tropische Gewässer besuchen. (John Durban und Robert Pitman, Southwest Fisheries Science Center, National Marine Fisheries Service, National Oceanographic and Atmospheric Administration, La Jolla: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2011.0875)


Krebs-Diagnose nach Jahrtausenden

Archäologen haben durch computertomographische Untersuchungen bei einer ägyptischen Mumie Prostatakrebs diagnostiziert. Der Patient dürfte zwischen 51 und 60 Jahre alt gewesen sein, als er vor etwa 2.250 Jahren an den Folgen dieser Erkrankung starb. Sein Leichnam wurde einbalsamiert und bestattet. Die Neugier unserer Zeit brachte ihn schließlich in ein Museum in Lissabon, wo die Untersuchungen stattfanden. Auf den Bildern entdeckten die Forscher zahlreiche verdächtige Stellen an der Wirbelsäule, den Beckenknochen und Extremitäten, die sie als Metastasen identifizierten. Die typische Verteilung ließ vermuten, dass der Primärtumor in der Prostata saß. Die Ergebnisse widersprechen den Archäologen zufolge der üblichen Ansicht, Krebs sei eine Erkrankung des industriellen Zeitalters. Vermutlich waren die Menschen der Pharaonenzeit sogar intensiver krebserregenden Stoffen ausgesetzt als wir: Es wurde beispielsweise offenes Feuer zum Kochen benutzt und heizte beziehungsweise beleuchtete auch die Wohnräume. Obwohl die alten Ägypter als Begründer effektiver medizinischer Behandlungen gelten, war ihnen der Zusammenhang vermutlich nicht bewusst und bei Krebserkrankungen waren sie machtlos. (Carlos Prates, Imagens Médicas Integradas, Lisbon, et al.: International Journal of Paleopathology, doi: 10.1016/j.ijpp.­2011.09.002)


Hämmern mit Stoßdämpfern

Wenn der Mensch mit dem Kopf auf eine harte Oberfläche schlägt, drohen ihm Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall sogar eine Hirnverletzung. Dem Specht macht das dagegen nichts aus, obwohl er ständig mit seinem Schnabel auf Baumstämmen herumhämmert. Wie der prominente Vogel das aushält, haben nun Wissenschaftler untersucht: Ein ausgeklügelter Aufbau von Schnabel und Schädel sind demnach das Geheimnis. Abzupuffern gilt es einiges: Circa 12.000 Mal donnern Spechte ihren Schnabel pro Tag gegen Baumstämme. Dabei erreichen sie Geschwindigkeiten von sechs bis sieben Meter pro Sekunde, das entspricht 20 bis 25 Kilometer pro Stunde. Den Forschern zufolge beruht das Schutzsystem der Vögel dabei auf mehreren Faktoren. Ein Teil des dämpfenden Effekts liegt demnach tragen weiche Strukturen an verschiedenen Stellen des Schädelknochens bei. Sie federn etwas von der Wucht ab. Einen weiteren Beitrag leistet das Zungenbein der Vögel: Dieser Knochen ist bei Spechten bogenförmig, wodurch er einen Teil der Energie beim Aufprall abpuffern kann. Ergänzt werden diese beiden Faktoren durch den Aufbau des Schnabels: Oberteil und Unterteil sind ungleich lang. Die Wucht des Aufschlags trifft somit wenige Millisekunden zeitlich versetzt auf. So entsteht ebenfalls ein federnder Effekt. Erst das Zusammenwirken aller Komponenten erzeugt die schützende Funktion, betonen die Wissenschaftler. Sie nennen es ein "kooperatives Phänomen" und sehen darin auch ein mögliches Vorbild für Anwendungen des Menschen: Das Specht-System könnte beispielsweise Schutzhelme verbessern.(Yubo Fan, Universität Beihang in Peking, et al.: Plos One, doi: 10.1371/journal.pone.0026490)
wissenschaft.de - Martin Vieweg


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