Traumdeutung

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut in München versuchen sich im Traumdeuten: Sie haben einen Weg gefunden, Gehirnaktivitäten im Schlaf bestimmten Handbewegungen zuzuordnen. Dazu arbeiteten sie mit Klarträumern, also Probanden, die sich bewusst sind, wenn sie träumen und sich dann in diesen Träumen gezielt verhalten können. Die Forscher übten mit diesen Probanden Abfolgen von Bewegungen ein, die die Versuchspersonen im Schlaf durchführten. Dabei zeigte ihr Gehirn ähnliche Aktivitäten wie im wachen Zustand.
Seitdem Wissenschaftler entdeckt haben, dass schnelle Augenbewegungen eng mit Träumen und verschiedenen Schlafphasen verbunden sind, versuchen sie, Trauminhalte bestimmten physischen Reaktionen zuzuordnen. Laut einer Forschergruppe um Martin Dresler vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München eignet sich dafür am besten ein Klarträumer. ?Er schläft und träumt, aber ist sich dessen absolut bewusst?, erklärt Dresler.

Die Psychologen ließen sechs Klarträumer bestimmte Abfolgen von Handbewegungen durchführen. Gleichzeitig zeichneten sie die Gehirnaktivität der Probanden auf. Im nächsten Schritt stellten sich die Klarträumer die Bewegungen dann nur vor, ohne sie tatsächlich auszuführen. Im entscheidenden Experiment sollten sie die Bewegungen schließlich im Schlaf in ihre Träume einbauen. Als Zeichen, dass sie sich in einem Klartraum befanden, bewegten sie zunächst ihre Augen. Auch die Übergänge zwischen einzelnen Bewegungsabläufen signalisierten sie über Augenbewegungen. So konnten die Wissenschaftler nachvollziehen, inwieweit die abgesprochenen Regungen sich im Gehirn der Schlafenden widerspiegelten.

Zwei der Probanden gelang die Ausführung aller erlernten Handbewegungen. In allen drei Experimenten waren Bereiche ihres motorischen Cortex?, dem Zentrum für Bewegungen, aktiv. Allerdings unterschied sich die Intensität, sagen die Wissenschaftler: So ist die Aktivität des Gehirns im wachen Zustand und bei tatsächlich ausgeführter Bewegung am höchsten. Am geringsten ist sie, wenn die Bewegung nur in Gedanken stattfindet. Während eines Klartraums dagegen beträgt die Aktivität in betreffenden Gehirnregionen etwa 50 Prozent im Vergleich zum wachen Zustand mit real ausgeführter Handbewegung. Zudem sind die involvierten Gehirnbereiche kleiner, diese reagieren aber selbst auf kleinste vorgestellte Regungen.

Trotzdem betonen die Wissenschaftler, dass diese Erkenntnisse nicht als direkte Korrelation zwischen Träumen und Bewegungen interpretiert werden sollten. Vielmehr sollten sie als methodischer Beweis dafür angesehen werden, dass die Gehirnaktivität in Zukunft Aufschlüsse über den Inhalt von Träumen geben könnte. Dazu gehörten beispielsweise bestimmte Bewegungsvorstellungen und Gefühle, so die Psychologen. ?Das ist der erste Schritt in Richtung wirklicher Traumdeutung?, glaubt Martin Dresler.
Martin Dresler (Max Planck Institute of Psychatriy, München) et al.: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2011.09.029

wissenschaft.de ? Marion Martin


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