Auslese: Was Forscher diese Woche sonst noch entdeckt haben

Von wegen dumm
Fische gelten landläufig als eher einfältige Tiere, mit simplen Hirnleistungen. Dass dies ein Trugschluss ist, dokumentieren nun Filmaufnahmen des US-Biologen Giacomo Bernardi von der University of California: Sie zeigen wie ein Anker-Zahnlippfisch ( Choerodon anchorago) eine Muschel aus dem sandigen Meeresgrund ausgräbt und sie dann im Maul über eine lange Strecke zu einem Felsen bringt. Dann schleudert der clevere Fisch die Muschel mehrmals gegen die harte Unterlage, um sie aufzubrechen. ?Dieses Verhalten umfasst mehrere Schritte und erfordert einiges an Planung?, erklärt Bernardi. ?Das ist eine erstaunliche kognitive Leistung.? Dazu passe auch die ausgeprägte Neugier, für die Zahnlippfische bereits bekannt sind, so der Forscher. Erst kürzlich hatten australische Meeresbiologen über einen anderen Vertreter der Gattung Choerodon berichtet, der ihren Beobachtungen zufolge einen Fels als Amboss zum Zerschmettern von Muscheln nutzt. Bernardi untermauert nun die Veröffentlichung seiner Kollegen im Fachblatt ?Coral Reefs? mit einem eindrucksvollen Video des faszinierenden Verhaltens. ( Mitteilung der University of California)


Ein Anker-Zahnlippfisch schleppt eine Schnecke zu einem Felsen, um sie zu zerschmettern. Credit: Giacomo Bernardi

Ein gutes Zeichen
Einer US-Studie zufolge sind Menschen, die leicht peinlich berührt sind oder schnell rot anlaufen, meist vertrauenswürdiger und auch großzügiger als andere. Genau diese Botschaft erkennen Mitmenschen auch an dem verlegenen Verhaltenen einer Person, so die Ergebnisse der Wissenschafteler um Matthew Feinberg von der University of California. Für die Studie filmten die Forscher Testpersonen bei der Erzählung peinlicher Erlebnisse, um einzuschätzen, wie leicht sie verlegen werden. Danach spielten sie experimentelle Spiele, bei denen sich offenbaren sollte, wie vertrauenswürdig und freigiebig die betreffende Person ist. Ergebnis: Verlegene Probanden zeigten diese altruistischen Verhaltensweisen besonders deutlich. Fragebogenerhebungen der Forscher unterstützten ebenfalls dieses Ergebnis. Weitere Experimente, die Reaktionen von Mitmenschen dokumentierten, zeigten zudem, dass leicht peinlich berührte Personen von ihrem Umfeld auch als vertrauenswürdiger wahrgenommen werden. Die Ergebnisse der Studie dokumentieren den Forschern zufolge, dass leichte Verlegenheit ein Zeichen von Tugend ist. ?Verlegenheit ist Teil des sozialen Kitts, der Vertrauen und Kooperation im Alltag fördert", so Koautor Robb Willer. In einer weiteren Studie wollen die Forscher nun herausfinden, ob auch das Gegenteil zutrifft ? ob Menschen, die kaum zu Verlegenheit neigen, weniger vertrauenswürdig sind. (Matthew Feinberg von der University of California et al.: Journal of Personality and Social Psychology, Onlinevorabveröffentlichung)

Supermuskeln fürs Echolot
Die Fledermaus wird ihrem geheimnisvollen Ruf wieder einmal gerecht: Um ihre legendären Ultraschalllaute zu erzeugen, bewegen sich die Kehlkopfmuskeln der Tiere mit Rekordgeschwindigkeit, wie Biologen nun herausgefunden haben. Experimente mit isolierten Muskelfaserbündeln zeigten, dass sie sich bis zu 200-mal pro Sekunde zusammenziehen können. Bisher waren solche Muskelleistungen bei Säugetieren nicht bekannt. Zum Vergleich: die Augenmuskeln ? die agilsten des Menschen ? sind 20-mal langsamer als die Hochleistungs-Muskeln der Fledermäuse, sagen die Wissenschaftler um Coen Elemans von der Universität von Süddänemark in Odense. Fledermäuse benutzen diese Leistungskraft für ihre nächtliche Echoortung: Beim Sturzflug auf Beute können sie so ihre Ruf-Frequenz auf bis zu 190 Töne pro Sekunde steigern. "Die Entwicklung superschneller Muskeln war entscheidend für den Erfolg der Fledermäuse als fliegende Beutejäger in der Dunkelheit", so die Wissenschaftler. (Coen Elemans von der Universität von Süddänemark et al.: Science, doi: 10.1126/science.1206022)

Weniger Gefahr aus dem All
Hollywood Blockbuster wie Deep Impact oder Armageddon erschrecken uns mit einem katastrophalen Szenario: Ein Komet hat Kollisionskurs mit der Erde und droht das Leben zu vernichten. Doch wie groß ist diese Gefahr tatsächlich? Einer Mitteilung der NASA zufolge ist diese Bedrohung vermutlich etwas geringer als bisher angenommen, denn
die Zahl mittlerer und großer Asteroiden nahe der Erde sei deutlich kleiner als bisher gedacht. Das geht aus Beobachtungen des Infrarot-Teleskop "Wise" hervor. Die Daten deuten daraufhin, dass nun etwa 90 Prozent der erdnahen Asteroiden ab 1.000 Metern bekannt sind. Demnach gibt es davon vermutlich 981, wovon 911 erfasst sind - und keiner von ihnen stelle in den nächsten Jahrhunderten eine Gefahr für die Erde dar. Für die Drehbücher Hollywoods gibt es aber dennoch weiterhin mögliche, spektakuläre Szenarien: Der NASA zufolge sei der weitaus größte Teil der mittelgroßen Asteroiden bisher nicht aufgespürt. Die Astronomen schätzen anhand der neuen Daten, dass es etwa 19.500 mittelgroße Asteroiden mit einer Breite zwischen 100 und 1.000 Metern nahe der Erde gibt. Diese könnten zwar bei einer Kollision nicht die Menschheit auslöschen, aber durchaus ein Ballungszentrum auf der Erde zerstören, "wenn sie den falschen Platz treffen". ( Mitteilung der NASA)

Lecken versus Saugen
Die Tank-Technik bestimmt die Blütenvorliebe von Insekten: Forscher haben herausgefunden, warum Bienen Blüten mit besonders süßem Nektar bevorzugen, während Schmetterlinge diese eher meiden. Die Ursache liege in der Art, wie die Insekten den Nektar aus der Blüte aufnehmen, berichten die Forscher um John Bush vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Durch Experimenten und Berechnungen haben sie herausgefunden, dass Honigbienen auch dickflüssigen Nektar noch schnell aufnehmen können, weil sie ihn lecken und nicht saugen wie die Schmetterlinge. Für sie sei zuckerärmerer und dadurch dünnflüssiger Nektar besser geeignet. ?Insekten müssen schnell und effizient trinken, weil sie sonst leicht gefressen werden können", erklären die Wissenschaftler. Diese Beobachtungen erklären, warum der Nektar der von Bienen und Hummeln besuchten Blüten einen durchschnittlich höheren Zuckergehalt aufweist als die von Schmetterlingen aufgesuchten Nektarquellen. Offenbar haben sich die Pflanzen im Laufe der Evolution an die Trinkgewohnheiten ihrer Bestäuber angepasst, sagen die Forscher. (John Bush vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1108642108)
wissenschaft.de - Martin Vieweg


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