Wie man Pech loswird - oder auch Glück

Händewaschen kann die Risikobereitschaft eines Menschen beeinflussen. Diesen Zusammenhang konnten nun Forscher aus den USA und Kanada durch eine Verhaltensstudie nachweisen. Demnach schwindet die Erwartung von Glück, aber auch von Pech nach einer körperlichen Reinigung: Wenn die Probanden der Studie auf Glück eingestimmt waren, verloren sie ihre damit verbundene Zuversicht, nachdem sie sich die Hände gewaschen hatten. Ebenso ließ sich aber der Pessimismus sozusagen abwaschen, wenn der Versuchsteilnehmer eine Pech-Situation vor dem geistigen Auge visualisierte. Den Forschern um Alison Jing Xu von der University of Toronto zufolge belegt diese irrational erscheinende Verknüpfung die Macht des Unterbewusstseins des Menschen - und seinen unterschwelligen Aberglauben.
Die Wissenschaftler führten ihre Verhaltensstudie mit über 200 Probanden durch. Den psychologischen Effekt der körperlichen Reinigung untersuchten sie dabei mithilfe von unterschiedlichen Versuchsvarianten. Auf Glück oder Pech wurden die Teilnehmer eingestimmt, indem sie an eine finanzielle Glückssträhne dachten oder eine Erfahrung, bei der sie Geld verloren hatten. In einem anderen Versuchsteil wurden die Gefühle durch einen tatsächlichen Gewinn oder eine Pleite in einem Glücksspiel hervorgerufen. Nach dieser Vorbereitung sollte sich nun ein Teil der Probanden die Hände waschen beziehungsweise mit einem Reinigungstuch säubern. Um den Effekt dieser Aktion auf die nachfolgende Risikobereitschaft zu testen, absolvierten die Teilnehmer nun weitere Glücksspiele. Alternativ sollten sie Risikoentscheidungen in experimentellen Szenarien treffen.

Bei der Auswertung des Verhaltens zeigte sich zunächst der grundlegende Effekt der Voreinstimmung: Auf Glück eingestellte Probanden und erfolgreiche Glücksspieler waren risikobereiter. Hatten die Teilnehmer dagegen Pech gehabt, blieben sie zurückhaltend. Bei der Gruppe, die sich die Hände gereinigt hatte, stießen die Wissenschaftler dann auf eine ausgeprägte psychologische Wirkung des Säuberns: Sowohl der positive wie auch der negative Effekt der jeweiligen Voreinstimmung schwand deutlich, zeigten die Auswertungen der Einsätze im Glücksspiel oder der Entscheidungen in den experimentellen Szenarien.

Die Grundlage des Effekts ist laut den Forschern ein intuitiver Aberglaube des Menschen, der sich in vielen Verhaltensweisen widerspiegelt. Beispielsweise geben Glücksbringer manchen Menschen Zuversicht, oder sie üben Rituale aus, die sie mit Erfolg verknüpfen - das kann der Glücks-Stein in der Tasche sein oder der Kuss für den Ball vor dem Elfmeterschießen. Die Reinigung der Hände impliziert eine Geste des Entfernens oder Beseitigens - und diese Bedeutung manifestiert sich offenbar auch im Bewusstsein des Betreffenden, sagen die Wissenschaftler: Die körperliche Reinigung entfernt auch die geistige Einstellung und damit die Erwartung von Glück oder Pech.

Frühere Studien hatten bereits die bemerkenswerte Bedeutung des Händewaschens dokumentiert. Beispielsweise lässt sich der Ausdruck ?ich wasche meine Hände in Unschuld? auf einen realen Zusammenhang zurückführen: Haben Menschen ein schlechtes Gewissen, waschen sie sich nach der ?Missetat? deutlich häufiger die Hände, zeigten Experimente. Ähnliches gilt für Fehlentscheidungen, von denen sich Menschen ebenfalls unbewusst durch Händewaschen zu befreien suchen. Die aktuelle Studie erweitert nun dieses kuriose Forschungsfeld um den Aspekt des "abwaschbaren" Glücks oder Pechs. Vorstellungen von Glück und Pech sind demnach offenbar sehr tief in der Psyche des Menschen verwurzelt, auch wenn sie sich dessen gar nicht bewusst sind, schlussfolgern Alison Jing Xu und ihre Kollegen.
Alison Jing Xu (University of Toronto) et al.: Journal of Experimental Psychology, doi: 10.1037/a0023997

wissenschaft.de - Martin Vieweg


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