Früherkennung für Zappelphilipp und Traumsuse

Forscher von der Universität in Landau haben einen Test entwickelt, mit dem sich erste Anzeichen einer Aufmerksamkeits-Defizit- beziehungsweise Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bereits im Kindergartenalter erkennen lassen. Er erfasst verschiedene Facetten der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit der Kinder und ist damit laut den Entwicklern ein vergleichsweise objektives Werkzeug zur Diagnose der Verhaltensproblematik. Bisher waren es hauptsächlich die eher subjektiven Beobachtungen von Erzieherinnen oder Eltern, die den Anstoß für eine genauere psychologische Untersuchung der Kinder gaben, erläutert Reinhold Jäger, einer der beteiligten Forscher. Eine möglichst frühe Diagnose ist wichtig, um das Kind gezielt fördern und damit die bei ADHS-Kindern typischen Probleme in der Schule minimieren zu können. Das Testsystem nutzt eine kindgemäße Geschichte, um Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu messen, berichtet die Universität Koblenz-Landau.
ADHS ist eine häufige Verhaltensproblematik im Kindesalter, Schätzungen zufolge sind davon drei bis zehn Prozent der Kinder in Deutschland betroffen. Dabei tritt ADHS bei Jungen deutlich häufiger auf als bei Mädchen. Oft unterscheidet sich auch die Ausprägung zwischen den Geschlechtern: Mädchen neigen eher zu Aufmerksamkeitsschwierigkeiten - sie sind unaufmerksam und träumen vor sich hin. Bei Jungen äußert sich ADHS eher in Hyperaktivität, woher auch die landläufige Bezeichnung "Zappelphilipp-Syndrom" stammt. Als Folge der Verhaltensauffälligkeit entwickeln sich bei den betroffenen Kindern häufig schulische und soziale Probleme.

Mit dem neuen Testverfahren wollen die Wissenschaftler mögliche Anzeichen für die Störung so früh erfassen, dass dieser Entwicklung gezielt entgegengewirkt werden kann. Sie konzentrieren sich dabei auf Auffälligkeiten bei der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen und Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis. Das Testverfahren kann den Forschern zufolge im Kindergarten ebenso eingesetzt werden wie in der Vorschule, innerhalb der ärztlichen Praxis, in der Erziehungsberatung oder in der Physiotherapie.

Der Test benutzt als Grundlage eine Geschichte um einen Zauberer namens Zwickelzwackel und sein Geburtstagsfest. Dabei werden bei den Kindern die Hauptwahrnehmungskanäle Sehen und Hören getrennt und zusammen angesprochen. Der Tester kann dabei anhand von bestimmten Kriterien bei der Reaktion des Kindes fünf Fähigkeiten erfassen: Konzentration und Daueraufmerksamkeit, Aufmerksamkeitskontrolle und Reaktionshemmung sowie geteilte Aufmerksamkeit. Die durchschnittliche Dauer des Tests beträgt etwa 45 Minuten, die Ergebnisse werden auf Protokollbögen notiert und ausgewertet. Nach Angaben der Entwickler erreicht der Test einen hohen Grad an Zuverlässigkeit und kommt auch bei Wiederholungen zu vergleichbaren Ergebnissen. Interessierte können das Testsystem über den Verlag Pearson Clinical and Talent Assessment käuflich erwerben.
Mitteilung der Universität Koblenz-Landau

dapd/wissenschaft.de - Martin Vieweg


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