Warum man gewissenhaft und pflichtbewusst sein sollte

Wer schon als kleines Kind selbstdiszipliniert und pflichtbewusst ist, hat eine größere Chance auf Erfolg im Leben als weniger kontrollierte Kinder. Dieses Fazit ziehen Forscher aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie den Charakter und den Lebensweg von rund 1.000 Menschen von ihrer Geburt bis ins Alter von 32 Jahren verfolgt haben. Demnach entwickeln sich Gesundheit, Wohlstand und soziale Lebensumstände bei Menschen deutlich günstiger, wenn sie schon als Dreijährige vergleichsweise viel Selbstbeherrschung zeigen. Dagegen neigen Personen, die im Kleinkindalter durch mangelnde Selbstkontrolle auffallen, später verstärkt zu Drogensucht, Kriminalität und Verarmung und leiden stärker unter gesundheitlichen Folgen eines ungesunden Lebensstils. Es gebe jedoch auch Hoffnung, sagen die Forscher: Der Grad der individuellen Selbstdisziplin ist kein Schicksal, sondern lässt sich beeinflussen. Es sollten daher dringend Programme zur Förderung von selbstkontrolliertem Verhalten bei Kindern ins Leben gerufen und unterstützt werden, schreibt das Team um Terrie Moffitt.
Die Informationen über den Charakter und den Lebensweg der Studienteilnehmer stammten aus Beurteilungen von Eltern, Lehrern und - für spätere Lebensphasen - auch aus institutionellen Quellen und den Aussagen der Teilnehmer selbst. Die regelmäßig durchgeführten Befragungen erfassten dabei vor allem Eigenschaften und Verhaltensweisen, die den Grad der persönlichen Selbstkontrolle widerspiegeln, wie Frustrationstoleranz, Beharrlichkeit, Sorgfalt, Geduld und Bedachtsamkeit. Es wurden außerdem der Intelligenzquotient und die soziale Herkunft der Studienteilnehmer in die Auswertung der Studie mit einbezogen.

Unabhängig von Intelligenz und der sozioökonomischen Herkunft zeigten die statistischen Auswertungen charakteristische Parallelen im Lebenslauf der Studienteilnehmer: Je niedriger der Wert für die Fähigkeit zur Selbstkontrolle im Alter von drei Jahren gewesen war, desto häufiger kam es bei den Studienteilnehmern im späteren Leben zu Problemen jedweder Art, darunter gesundheitliche Schwierigkeiten wie Übergewicht, sexuell übertragbare Erkrankungen und sogar Zahnprobleme. Ähnliches gilt für die Häufigkeit von Drogenproblemen, Kriminalität und der Neigung, sich zu verschulden. Auch ungewollte Schwangerschaften und eine hohe Quote an Schulabbrechern waren den Forschern zufolge typisch für die Gruppe, die schon als Dreijährige bei den Beurteilungen schlecht abgeschnitten hatte.

Diese Ergebnisse konnten die Forscher darüber hinaus durch einen Vergleich von 500 zweieiigen Zwillingen aus Großbritannien untermauern: Trotz des gleichen Familienhintergrundes und Alters zeigte auch hier der Zwilling, der als Kind weniger selbstbeherrscht gewesen war, im späteren Leben eher eine Neigung zu problematischen Verhaltensweisen.

Aus den Ergebnissen lasse sich auch eine gute Nachricht ableiten, sagen die Forscher: Der Grad der Selbstkontrolle und damit auch die späteren Chancen scheinen sich beeinflussen zu lassen. Einige Studienteilnehmer schaffen es nämlich, ihre Selbstbeherrschung mit zunehmendem Alter zu verbessern - und waren im Erwachsenenalter erfolgreicher, als ihre ursprüngliche Beurteilung im Alter von drei Jahren hatte erwarten lassen. Demnach könnten Erziehungsprogramme und Konzepte zur Stärkung von selbstbeherrschtem Verhalten hilfreich sein, um die Entwicklung gesellschaftlich negativer Verhaltensweisen einzudämmen, schließen die Forscher daraus.
Terrie Moffitt (Duke University)et al: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1010076108

dapd/wissenschaft.de - Martin Vieweg


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