Emotionsforscher manipulieren Sprach-Klang

Emotionen sind oft hörbar. (Foto: iStock/Yuri)

Freudig gestimmt klingt ein Mensch bekanntlich anders als traurig oder ängstlich – bestimmte Merkmale im Tonfall geben uns Hinweise auf den emotionalen Zustand eines Sprechers. Um aufzuklären, inwieweit sich ein Mensch über die Entwicklung dieser Signale bewusst ist, haben Forscher den emotionalen Klang von Sprachaufnahmen gezielt manipuliert und die Sprecher selbst damit konfrontiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass es eine Art Rückkopplungseffekt gibt: Menschen hören sich gleichsam selbst zu und erhalten dadurch Hinweise auf ihren eigenen emotionalen Zustand.

Gefühlsregungen sind wir bekanntermaßen nur teilweise hilflos ausgeliefert: Steigen Emotionen in uns auf, können wir sie mit bestimmten Strategien beeinflussen und viele Menschen neigen auch dazu, äußerliche Signale ihrer Gemütszustände zu unterdrücken oder gezielt zu manipulieren. Ein Forscherteam um Jean-Julien Aucouturiera von der Université Pierre et Marie Curie in Paris beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit dem emotionalen Informationsgehalt des Klangs der Sprache. Es stellte sich die Frage, inwieweit Menschen die typischen emotionalen Komponenten ihres eigenen Tonfalls bewusst sind und ob sie diese gezielt steuern.

Das klingt fröhlich... das traurig

Um dieser Frage nachzugehen, entwickelten die Wissenschaftler ein Computerprogramm, das Sprachaufnahmen eine bestimmte emotionale Färbung verpassen kann, indem es typische Klangkomponenten künstlich verstärkt. Bei Freude ist unter anderem beispielsweise die Tonhöhe bestimmter Sprachaspekte angehoben, bei Traurigkeit hingegen abgesenkt. Ängstlichkeit spiegelt sich wiederum unter anderem in leicht zittrigen Tönen wider. Entsprechend kann das System der Forscher Aufnahmen eines neutral vorgelesen Textes entweder einen fröhlich, traurigen oder ängstlichen Klang geben. Die Manipulation erfolgt dabei so schnell, dass keine merkliche Zeitverzögerung eintritt. Die Effektivität des Systems testeten die Wissenschaftler an einer Gruppe von Testpersonen: Sie konnten die jeweils künstlich eingestellte Emotionsfarbe tatsächlich richtig zuordnen und empfanden sie als natürlich.

Bei ihren eigentlichen Experimenten baten die Forscher 100 Probanden, einen neutralen Text laut vorzulesen. Sie trugen dabei Kopfhörer, die ihnen das eigene Gesprochene simultan auf die Ohren legten. Ohne es zu wissen, hörten sie aber manipulierte Versionen ihrer eigenen Stimme, der künstlich entweder eine freudige, traurige oder ängstliche Klangfarbe verpasst worden war. Befragungen der Probanden ergaben, dass sie diese Manipulation meist nicht bemerkten. Die Forscher interpretieren dieses Ergebnis als einen Hinweis darauf, dass Menschen ihren eigenen Klang meist nicht kontrollieren, um bestimmte emotionale Komponenten sicherzustellen.

Emotionale Rückkopplung

Vor und nach den Experimenten befragten die Forscher die Probanden zudem nach ihrer momentanen Stimmungslage. Dabei zeigte sich: Wurde die Stimme bei dem Experiment künstlich traurig gemacht, fühlten sich die Probanden anschließend melancholischer als zuvor. Bei einer positiven Manipulation war es entsprechend umgekehrt. Eine Untersuchung des Hautwiderstandes während der Versuche - der ebenfalls Rückschlüsse auf Emotionszustände zulässt - bestätigte diese Wirkung zusätzlich.

Dieser Effekt könnte den Forschern zufolge bedeuten, dass es bei der emotionalen Selbstwahrnehmung des Menschen eine Art Rückkopplungseffekt gibt: Wir hören uns selber zu und erfassen dabei unsere Gemütslage, was sie wiederum zu verstärken scheint. "Die gleichen Interpretionsstrategien, die wir für das Verständnis von Mitmenschen nutzen, wenden wir offenbar auch auf uns selbst an", schreiben die Wissenschaftler.

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