Das Gesicht verrät die Rivalin

Hat sie gerade ihren Eisprung? Subtile Zeichen im Gesicht verraten es. (Foto: Kharichkina/ iStock)

Subtile Zeichen verraten, ob eine Frau gerade die fruchtbaren Tage um ihren Eisprung durchlebt. Dass Männer diese Anzeichen unbewusst erkennen, weiß man schon länger. Jetzt belegt ein Experiment: Auch Frauen können diese am Gesicht ablesbaren Signale wahrnehmen - vor allem, wenn sie selbst einen relativ hohen Östrogenspiegel haben. Sie identifizieren ovulierende Frauen eher als Rivalin als Geschlechtsgenossinnen in einer anderen Phase ihres Zyklus.

Der Menstruationszyklus bewirkt nicht nur den regelmäßigen Eisprung, er verändert auch das gesamte hormonelle Gleichgewicht einer Frau in regelmäßigem Rhythmus. Auf ein mehrtägiges Hoch des Geschlechtshormons Östrogen folgt nach dem Eisprung eine Phase, in der das Gelbkörperhormon Progesteron dominiert. Diese Schwankungen haben jedoch nicht nur innere Auswirkungen, sie verändern auch auf subtile Weise Aussehen und Verhalten der Frau. So zeigen Studien, dass Frauen während der fruchtbaren Tage rund um den Einsprung anders duften, ihre Stimmlage verändert sich und auch ihr Aussehen – und das bleibt dem männlichen Geschlecht nicht verborgen. "Männer finden während des Eisprungs aufgenommene Frauenportraits attraktiver als Aufnahmen der gleichen Frauen zu einer späteren Phase des Zyklus", berichten Janek Lobmaier und seine Kollegen von der Universität Bern. Die Fähigkeit, die subtilen Anzeichen der Fruchtbarkeit wahrzunehmen, ist durchaus sinnvoll, steigert ein Seitensprung mit einer solchen Frau doch die Chance, Nachwuchs zu zeugen.

Erkennen Frauen die Signale auch?

"Ob das Wahrnehmen dieser subtilen Signale auch für Frauen Vorteile hat, ist dagegen weit weniger klar", sagen Lobmaier und seine Kollegen. Denn das wurde bisher schlicht nicht untersucht. Denkbare Vorteile gäbe es nach Ansicht der Forscher aber durchaus. "So könnten ovulierende Frauen eher dazu neigen, anderen Frauen ihre Männer auszuspannen, was sie zu einer potenziellen Bedrohung macht", spekulieren die Forscher. Es könnte daher vorteilhaft sein, wenn eine Frau diese drohende Gefahr erkennt. Ob das tatsächlich der Fall ist, haben die Wissenschaftler nun in einem Experiment überprüft. Dafür fotografierten sie Frauen einmal während ihres Eisprungs und einmal gegen Ende des Zyklus. Aus diesen Aufnahmen erstellten sie 40 Bildpaare. Im eigentlichen Test sollten 60 Frauen, die sich selbst in der zweiten Zyklushälfte befanden, angeben, welches der beiden Portraits sie jeweils attraktiver fanden und bei welchem sie eher befürchten würden, dass die Frau ihnen den Partner abspenstig machen könnte. Vor dem Test entnahmen die Forscher zudem von allen Probandinnen eine Speichelprobe, um den Östrogengehalt zu bestimmen.

Das Ergebnis: "Wir haben festgestellt, dass Frauen die Gesichter von Frauen im Eisprung nicht attraktiver fanden als die Vergleichsportraits", berichten Lobmaier und seine Kollegen. In Bezug auf das Ausspannen des Partners gab es jedoch durchaus Unterschiede: Frauen mit einem nicht von der Pille beeinflussten Zyklus und einem höheren Östrogenspiegel befürchteten dies signifikant häufiger bei dem Portrait der ovulierenden Geschlechtsgenossin. "Das zeigt, dass Frauen zwar anders reagieren als Männer, dass aber auch sie nicht vollkommen blind gegenüber diesen subtilen Schlüsselreizen sind", konstatieren die Forscher. Offenbar beeinflusst dabei das Geschlechtshormon Östrogen, wie konkurrenzbewusst eine Frau ist. Ähnliches hatte vor kurzem bereits eine andere Forschergruppe herausgefunden: Ein hoher Östrogenspiegel lässt Frauen eher unsozial handeln als ein niedriger, zeigten die Experimente.

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