Beim Flirten ist weniger mehr

Das richtige Maß an emotionaler Distanz macht attraktiv: Wer nicht sicher ist, ob er vom Gegenüber gemocht wird, fühlt sich stärker von ihm angezogen. Das hat ein US-amerikanisches Forscherteam in einer Studie mit Studentinnen herausgefunden. Der Grund für das widersprüchliche Verhalten: Die Unsicherheit führt dazu, dass man ständig an den anderen denken muss, erklären die Forscher. Für eine erfolgreiche erste Verabredung gelte demnach: Wer dem anderen die eigenen Gefühle nicht gleich offen zeigt, erhöht seine Chancen auf ein zweites Date, berichten die Wissenschaftler um Erin Whitchurch von der University of Virginia in Charlottesville.
Sympathie steckt an: Menschen fühlen sich von anderen besonders stark angezogen, wenn sie wissen, dass diese sie mögen. Dieses Phänomen hatten frühere Studien bereits bestätigt. Nicht untersucht wurde bislang jedoch, wie groß das Interesse für einen anderen ist, wenn man nicht weiß, ob die eigene Zuneigung auf Gegenliebe stößt. Eben jener Frage gingen die Forscher um Whitchurch in ihrer Studie nach. Zu diesem Zweck teilten die Psychologen zunächst jeder der insgesamt 47 Teilnehmerinnen mit, dass mehrere männliche Studenten von unterschiedlichen Universitäten bei einer Internet-Community das Profil von rund 20 Frauen besucht hätten, darunter auch das der jeweiligen Studentin. Die Männer hätten den Forschern darüber Auskunft gegeben, welche der Frauen sie besonders anziehend fanden.

Nach dieser Ankündigung zeigten die Wissenschaftler allen Studienteilnehmerinnen die eigens erstellten Online-Profile von vier der Studenten. Während dabei die Forscher einem Teil der Studentinnen erklärten, diesen vier Männern habe ihr Profil besonders gut gefallen, sagten sie anderen Probandinnen, sie seien von diesen Studenten nur als durchschnittlich attraktiv empfunden worden. Eine dritte Gruppe von Frauen ließen die Forscher im ungewissen: Sie verrieten ihnen nicht, ob die Männer sie anziehend fanden oder nicht. Anschließend sollten die Studentinnen entscheiden, ob sie sich mit den jeweiligen Studenten für ein romantisches Treffen verabreden würden. Außerdem sollten die Teilnehmerinnen einschätzen, wie intensiv sie an die jeweiligen Männer in den letzten 15 Minuten gedacht hatten.

Ergebnis: Die Teilnehmerinnen tendierten grundsätzlich eher zu einem Treffen mit den Studenten, die sich positiv über die Frauen geäußert hatten, und fanden diese reizvoller als Männer, von denen sie lediglich als mittelmäßig attraktiv eingestuft worden waren. Am stärksten steigerte jedoch die Ungewissheit die Anziehungskraft: Studentinnen, die nicht wussten, ob die Männer sie mochten oder nicht, waren den jeweiligen Studenten am meisten zugetan. Der Grund: Von allen Probandinnen dachten sie am intensivsten an die Männer und grübelten darüber nach, ob diese sie mochten oder nicht. Damit bestätigte erstmals eine wissenschaftliche Studie, dass es die eigene Attraktivität steigere, wenn man seine Gefühle bedeckt halte, berichtet das Forscherteam. Auch wenn viele Faktoren die Anziehungskraft eines Menschen beeinflussen, raten die Wissenschaftler: Wer einen Menschen darüber im Unklaren lässt, wie sehr man ihn mag, weckt nicht nur das Interesse des Gegenübers, sondern setzt sich auch in seinen Gedanken fest. Das gelte zumindest für die erste Begegnung.
Erin Whitchurch (University of Virginia, Charlottesville) et al.: Psychological Science, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1177/0956797610393745

dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede


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