Aufmerksame Sprösslinge

 Kinderaugen sind aufmerksam. Bild: Otto Wenninger / pixelio.de
Kinderaugen sind aufmerksam. Bild: Otto Wenninger / pixelio.de
Kleinkinder nehmen nicht nur das Verhalten anderer wahr, sondern auch deren Absichten, haben Forscher aus Leipzig gezeigt: Wer selbst hilfsbereit ist, kann auf die Hilfe von Kindern zählen - und das sogar, wenn er unbeabsichtigt anderen geschadet hat. Dagegen müssen Menschen mit unlauteren Motiven auf die Unterstützung der Kleinen verzichten: Die Hilfsbereitschaft von Kindern sinkt, wenn sie beobachten, dass jemand anderen mutwillig schadet. Selbst wenn derjenige nur böswillige Absichten hegt, zeigen sich Kleinkinder weniger entgegenkommend. Die Beobachtungen werfen ein neues Licht auf die Entstehung von Moralvorstellungen und deren Bewertungen bei Kindern, berichtet das Forscherteam um Amrisha Vaish vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.
Die Wissenschaftler konfrontierten in zwei Studien 100 Dreijährige mit unterschiedlichen Szenarien. So beobachteten die Kleinen beispielsweise, wie hilfsbereite Erwachsene eine Zeichnung zusammenklebten, die ein Dritter zuvor mutwillig zerfetzt hatte. In einem anderen Test mussten die Kinder mit ansehen, wie jemand absichtlich die Arbeit eines anderen zerfledderte. Außerdem beobachten die Kleinen Erwachsene, die offensichtlich ein bemaltes Blatt Papier zerreißen wollten, das aber nicht schafften. Und schließlich sahen sie Personen zu, die aus Versehen die Zeichnung eines anderen zerstörten.

Im Anschluss spielten die Erwachsenen ein Spiel, bei dem die Kinder den Großen unter die Arme greifen sollten. Die Forscher beobachteten, dass sich die Kinder kollegial gegenüber Erwachsenen verhielten, die zuvor selbst anderen geholfen oder aber lediglich versehentlich jemandem Schaden zugefügt hatten. Dagegen mussten diejenigen, die jemandem bewusst und absichtlich geschadet hatten, auf die Hilfe der Kleinen verzichten. Ebenso ging es denen, die zwar geplant hatten, andere zu ärgern, dies aber nicht umsetzten.

Das Verhalten der Kleinen lässt vermuten, dass Kinder bereits im Alter von drei Jahren nicht nur ein Verständnis für das moralische Verhalten anderer entwickeln, sondern auch die Absichten erfassen können, die dem Verhalten eines anderen zugrunde liegen. "Unsere Studie gibt Aufschluss über die Entwicklung von Moral bei Kindern und stellt bisherige Annahmen in Frage, die besagen, dass Kleinkinder keinen Unterschied machen und allen gleichermaßen helfen", resümiert Vaish.
Amrisha Vaish (Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie) et al.: Child Development, Bd. 81, S. 81

dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede


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