Schnell weg mit bösen Erinnerungen

Aktuelle Forschungsergebnisse machen neue Hoffnung für die Behandlung von Traumata und Ängsten: Innerhalb der ersten Woche nach den negativen Erlebnissen können die traumatischen oder angstauslösenden Erinnerungen dauerhaft aus dem Gedächtnis gelöscht werden - und zwar durch gezieltes Verhaltenstraining. Das haben US-amerikanische Forscher nun in Experimenten mit Mäusen gezeigt. In dem engen Zeitfenster können Angstgefühle durch die wiederholte Konfrontation mit der angstauslösenden Situation nachhaltig getilgt werden. Die neuronalen Vorgänge, die zum Vergessen führen, konnten die Forscher ebenfalls aufdecken.
Die Forscher Roger Clem und Richard Huganir von der Johns-Hopkins-University in Baltimore trainierten den Mäusen zuerst die Angst vor bestimmten Tönen an: Nach jedem abgespielten Ton bekamen die Mäuse einen kurzen Stromschlag, indem die Forscher den Käfigboden unter Strom setzten. Dieser Kombination wurde in Abständen immer wieder durchgeführt, bis die Tiere schließlich bereits beim Klang des Tons in eine Art Schockstarre fielen.

Danach untersuchten die Forscher, unter welchen Bedingungen die Mäuse diese Angst wieder verlernen können. Zu diesem Zweck präsentierten sie ihnen die Töne wiederholt ohne Elektroschocks. Das Ergebnis: In einem Zeitfenster von bis zu sieben Tagen nach dem Erlernen der Angst konnten die Nager ihre Furcht dauerhaft überwinden. War die Wochengrenze hingegen überschritten worden, ohne dass ein Verhaltenstraining erfolgt war, erstarrten die Tiere beim Klang des Tons auch weiterhin.

Durch eine anschließende Untersuchung der Mausgehirne konnten die Forscher auch die neuronalen Vorgänge aufklären, die hinter dem Erlernen und Vergessen der Angst stecken. Die traumatischen Erlebnisse rufen Veränderungen an den Nervenzellen der Amygdala hervor. Diese Hirnregion ist wesentlich an der Entstehung von Angst beteiligt: Sie spielt eine Rolle bei der emotionalen Bewertung und der Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren. Wie die Untersuchungen der Forscher ergaben, erhöhen die angstauslösenden Erlebnisse die Aktivität eines bestimmten Rezeptors an den Nervenzellen der Amygdala. Diese Veränderungen konnten jedoch innerhalb des Zeitfensters von einer Woche durch das Umlernen rückgängig gemacht werden.
Roger Clem, Richard Huganir (Johns-Hopkins-University, Baltimore): Science (Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1126/science.1195298)

dapd/wissenschaft.de ? Meike Simann


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