Das Unterbewusstsein weiß es besser

 Drücken der delete-Taste auf einer Computertastatur. Image © Science/AAAS
Drücken der delete-Taste auf einer Computertastatur. Image © Science/AAAS
Das rasche Entdecken von Fehlern kann lebenswichtig sein. Deshalb gibt es dafür gleich mehrere Kontrollsysteme, nämlich ein bewusstes und ein unbewusstes. Das bewusste System wird dabei stärker gewichtet - obwohl das unterbewusste Fehler zuverlässiger aufspürt. Zu diesen Aussagen kommen US-Wissenschaftler in Experimenten mit professionellen Schreibkräften. Die Finger der Versuchsteilnehmer reagierten auf Tippfehler umgehend, indem sie zögerten und das Schreibtempo für Sekundenbruchteile verringerten. Das Bewusstsein der Probanden hingegen verließ sich auf das Ergebnis, das auf dem Computerbildschirm zu sehen war: Hatte der Computer Tippfehler korrigiert, bevor das Geschriebene sichtbar wurde, waren die Teilnehmer davon überzeugt, keinen Fehler gemacht zu haben, obwohl ihre Finger es besser wussten.
Vom Radfahren bis hin zum Kaffeekochen: Viele täglich wiederkehrende Tätigkeiten sind uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir sie erledigen, ohne darüber nachzudenken. Doch selbst, wenn das Bewusstsein diesen Autopiloten eingeschaltet hat, werden etwaige Fehler oft noch bemerkt. Gordon Logan und Matthew Crump von der Vanderbilt University in Nashville interessierte, inwieweit Bewusstsein und Unterbewusstsein bei der Fehlerfindung miteinander in Verbindung stehen und welches der beiden Kontrollsysteme letztendlich die Fehlermeldung weitergibt.

Zu diesem Zweck ließen sie 72 Schreibkräfte mit durchschnittlich 12,5 Jahren Berufserfahrung zum Wettbewerb am Computer antreten: Sie sollten möglichst schnell Wörter tippen, die vor ihren Augen auf dem Bildschirm erschienen. Der eingetippte Begriff war dann unter dem vorgegebenen Wort auf dem Bildschirm zu sehen. Dabei manipulierten die Wissenschaftler die Ergebnisse jedoch mit Hilfe eines Computerprogramms nach dem Zufallsprinzip: Manche Tippfehler wurden behoben, so dass die richtigen Buchstabenfolgen angezeigt wurden. In andere Wörter schmuggelte das Programm Tippfehler hinein, obwohl es richtig eingetippt worden war.

Die ersten 24 Probanden wurden nach jeder Eingabe dazu befragt, ob sie beim Tippen einen Fehler gemacht hätten oder nicht. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe sollten es von sich aus mitteilen, wenn sie glaubten, einen Tippfehler gemacht zu haben. Der dritten Gruppe schließlich verrieten die Forscher vor dem Experiment, dass der Computer möglicherweise Ergebnisse manipuliere. Auch sie sollten sich melden, wenn sie einen Tippfehler gemacht hatten.

Das verblüffende Ergebnis: Die Teilnehmer der beiden ersten, nicht eingeweihten Gruppen, gingen davon aus, keinen Fehler gemacht zu haben, wenn das Wort auf dem Bildschirm korrekt geschrieben war - auch dann, wenn sie sich vertippt hatten und der Computer sie heimlich korrigiert hatte. Umgekehrt akzeptierten sie vom Computer eingeschmuggelte Fehler als ihre eigenen. Bei der dritten Gruppe entdeckten die Teilnehmer einige vom Computer eingefügte Fehler, nicht jedoch die Korrekturen - obwohl auch ihre Finger nach den echten Fehlern unbewusst zögerten. Fazit: Offensichtlich zählt letztlich nur das bewusst wahrgenommene Endergebnis.
Gordon Logan und Matthew Crump (Vanderbilt University, Nashville): Science, Bd. 330, Nr. 6004, S. 683, doi: 10.1126/science.1190483

dapd/wissenschaft.de ? Mascha Schacht


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