"Krach-verschmutzte" Naturschutzgebiete

Forscher erfassen die Geräuschkulisse im Olympic National Park, Washington. (Foto: National Park Service)

Der Mensch lässt's kräftig krachen: Ein Orchester aus vielen Schallquellen sorgt für infernalische Hintergrundmusik im Leben vieler Menschen. Doch wie nun eine US-amerikanische Studie aufzeigt, sind nicht etwa nur die Siedlungsgebiete von der kritischen Lärmbelastung betroffen: Der Krach des Menschen "verschmutzt" auch Naturgebiete überraschend stark. Dadurch leidet deren Erholungswert für den Menschen und die dortigen Ökosysteme werden belastet, betonen die Forscher. Auch in Europa ist von ähnlichen Bedingungen auszugehen.

Die urbane Geräuschkulisse gehört für viele Menschen so sehr zu ihrem Alltag, dass sie ihnen schon kaum mehr auffällt. Doch unser Unterbewusstsein hört mit und viele Studien zeigen, dass sich der permanente Lärm negativ auf die Lebensqualität und die Gesundheit von Menschen auswirken kann. Ebenso kritisch kann sich die Lärmbelastung auf Tiere und ganze Ökosysteme auswirken, belegen Untersuchungen. Bisher standen allerdings ohnehin vergleichsweise laute Gebiete im Fokus der Forschung.

Kritisch hingehört

Wissenschaftler der Colorado State University in Fort Collins haben nun hingegen in Natur-Gebieten kritisch hingehört, denn bekanntlich erreichen die menschlichen Geräuschquellen auch zunehmend entlegene Regionen. Im Rahmen ihrer Studie haben sie an 492 Standorten in den USA Millionen von Stunden Geräuschmessungen durchgeführt und die gewonnenen Audiodateien anschließend ausgewertet. So konnten sie den natürlichen Schallpegel einschätzen, das Niveau des anthropogenen Lärms an den verschiedenen Standorten vergleichen und Verursacher identifizieren.

Die Auswertungen ergaben: In 63 Prozent der untersuchten Flächen verdoppelte der
anthropogene Lärm die Intensität der Geräuschkulisse. In 21 Prozent verursachte er sogar eine zehnfache Erhöhung und mehr. Die wichtigsten Verursacher waren Straßen, Flugzeuge, menschengemachte und bei der Gewinnung von Ressourcen freiwerdende Geräusche, berichten die Forscher. "Teilweise kann der Lärmpegel, den wir festgestellt haben, das Besuchererlebnis in diesen Gebieten deutlich beeinträchtigen, gesundheitsbelastend sein und die Natur schädigen", sagt Co-Autorin Rachel Buxton. Auch in Lebensräumen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten haben die Forscher kritische Lärmbelastungen festgestellt. "Obwohl Pflanzen nicht selbst betroffen sind, können viele Tiere, die ihre Samen verbreiten oder ihre Blüten bestäuben vom Lärm beeinträchtigt sein, was zu indirekten Auswirkungen auf die Pflanzen führt", betont Buxton.

Vergleiche verdeutlichen den Krach

Wie sie und ihre Kollegen berichten, gibt es allerdings durchaus noch viele große Wildnisgebiete mit einem Schallniveau, das dem natürlichen nahe kommt. "Diese gilt es zu schützen, wenn wir den Charakter von Schutzgebieten bewahren wollen", so Buxton. Und dies ist auch durchaus möglich: Einige Schutzgebiete haben bereits Konzepte eingeführt, um Lärm in bestimmten Bereichen gezielt zu reduzieren. Beispielsweise können Shuttle-Busse für Touristen den lauten Verkehr einschränken.

Den Forschern zufolge sei es aber auch erst einmal generell wichtig, Menschen auf die Geräusch-Verschmutzung aufmerksam zu machen, denn vielen ist sie nicht bewusst. "Das nächste Mal, wenn Sie einen Spaziergang im Wald machen, achten Sie auf die Geräusche, die Sie hören - das Rauschen eines Flusses, der Wind in den Bäumen, der Gesang der Vögel... Diese natürlichen akustischen Aspekte sind wundervoll und verdienen unseren Schutz", sagt Buxton.

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