Bienen-schädliches Pestizid im Honig

Vielen Bienenvölkern geht es seit einiger Zeit schlecht. (Foto: Simon Rowell Photography)

"Bienensterben" heißt das Stichwort – für den weltweiten Rückgang der Bestände der Insekten werden zumindest teilweise Pestizide verantwortlich gemacht. Nun dokumentiert eine Studie, dass die Bienen den Substanzen offenbar tatsächlich erheblich ausgesetzt sind: In 75 Prozent von Honigproben aus aller Welt haben Forscher Spuren von Neonicotinoid-Pestiziden gefunden. Die Mengen scheinen zwar für den Menschen unbedenklich – nicht aber für die Bienen: Sie könnten mit dem Rückgang der Bestände verknüpft sein, sagen die Forscher.

Seit etwa 15 Jahren befinden sich die Bienen gleichsam auf dem Sinkflug: Viele Völker sind überall auf der Welt geschwächt und sterben teils in einem dramatischen Ausmaß ab. Die Gründe für dieses sogenannte Bienensterben (Colony Collapse Disorder) scheinen komplex und sind nach wie vor nicht völlig geklärt. Neben eingeschleppten Parasiten wie der gefürchteten Varroamilbe gibt es aber mittlerweile deutliche Hinweise darauf, dass Pflanzenschutzmittel den kostbaren Bestäubern und Honigproduzenten zu schaffen machen. Bei ihrer Sammeltätigkeit kommen sie mit diesen Substanzen in Kontakt und nehmen sie unter Umständen mit Nektar und Blütenpollen auf. Dadurch können sie dann letztlich auch im Honig landen.

Vor allem im Fall der Pestizide aus der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide haben Studien einen negativen Effekt auf Bienen aufgezeigt. Diese Insektenvernichtungsmittel werden weltweit in großem Maßstab in der Landwirtschaft eingesetzt, um Raupen, Käfern und Co den Garaus zu machen. Zunächst schienen diese Substanzen für Bienen wenig gefährlich zu sein, doch zahlreiche Studien der vergangenen Jahre widersprechen dieser Einschätzung: Neonicotinoide können demnach bei chronischer Belastung unter anderem die Orientierung, das Immunsystem und die Fruchtbarkeit der Insekten erheblich beeinträchtigen. Dazu kommt, dass möglicherweise Kombinationen verschiedener Wirkstoffe verschärft schädlich wirken – ein Gift-Cocktail könnte für die Bienen besonders problematisch sein.

Um zu untersuchen, inwieweit Bienen den Substanzen tatsächlich ausgesetzt sind, hat ein Forscherteam um Edward Mitchell von der Universität von Neuchâtel 198 Honigproben aus aller Welt auf Spuren von fünf unterschiedlichen Neonicotinoiden untersucht: Acetamiprid, Tuchianidin, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam. Die Honigproben stammten dabei aus dem Zeitraum von 2012 bis 2016.

Spuren der Problemstoffe im Honnig

Die Analysen ergaben: 75 Prozent aller Honigproben enthielten mindestens eines der Neonicotinoide. 30 Prozent dieser belasteten Proben wiesen dabei nur einen der Wirkstoffe auf, bei 45 waren es zwei oder drei und bei 10 Prozent fanden die Forscher eine Mischung von vier beziehungsweise fünf Neonicotinoiden. Die Konzentrationen waren am höchsten in den nordamerikanischen, asiatischen und europäischen Proben, berichten die Wissenschaftler.

Wie die Autoren betonen, liegen die Konzentrationen der Wirkstoffe unter dem Niveau, das die EU in Lebensmitteln und Futtermitteln genehmigt. Doch auch diese Werte gelten mittlerweile als fragwürdig, da es Hinweise darauf gibt, dass Neonicotinoide auch für Wirbeltiere bedenklicher sein könnten als bisher gedacht. Klar scheint hingegen, dass die Werte im Honig in vielen Fällen für Bienen kritisch sind: Bei 34 der Proben fanden die Forscher Konzentrationen, von denen bekannt ist, dass sie für Bienen schädlich sein können. Die Ergebnisse dokumentieren somit, dass ein erheblicher Anteil der weltweiten Bestäuber in einem kritischen Maße von diesen Substanzen betroffen ist.

In Europa haben die möglichen Risiken der Neonicotinoide für Bienen bereits seit 2014 zu einer Einschränkung der Zulassung für den Einsatz geführt: Drei dieser Insektizide dürfen nicht mehr in der Blütezeit von Kulturen verwendet werden – also dann, wenn sie gezielt von Bienen besucht werden. Durch die Anwendung in anderen Bereichen und die Anreicherung in der Umwelt können die Insekten allerdings weiterhin mit den Substanzen in Kontakt kommen, gibt Christopher Connolly von der University of Dundee in einem Kommentar zur Studie zu bedenken. Die in der Untersuchung verwendeten Proben aus der EU wurden weitgehend gesammelt, bevor die Neonicotinoid-Verwendung eingeschränkt wurde. Deshalb sollte nun eine Analyse folgen, die gezielt die Entwicklung der Belastung seit 2014 erfasst. So ließe sich die Wirksamkeit des Teilverbots in der EU überprüfen, schreibt Connolly.

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