Wirtschaftsboom macht Chinas Meere krank

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Die Küstenregionen Chinas spielen für die Wirtschaft des Landes eine herausragende Rolle. Sie tragen jährlich zu 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bei, seitdem sich das Land von einer Agrar- zur Industrienation gewandelt hat. Leidtragende der industriellen Aktivitäten sind die sensiblen marinen Ökosysteme, berichten Forscher. Wo die Wirtschaft floriert, häufen sich demnach die Umweltprobleme: Fische und Korallenriffe verschwinden, schädliche Algenblüten nehmen zu. Die Wissenschaftler haben nun die ökologischen Schattenseiten des chinesischen Wirtschaftswachstums beziffert.

Das Jahr 1978 markiert in China den Beginn einer eindrucksvollen wirtschaftlichen Entwicklung. Dank einer Vielzahl von Reformen ist seitdem aus einer landwirtschaftlich geprägten Planwirtschaft eine marktorientierte Wirtschaft hervorgegangen. Besonders in den Küstenregionen Chinas floriert die Industrie – mit dramatischen Folgen für die Umwelt. Menschengemachte Veränderungen wie künstliche Marikulturen, erhöhter Schiffsverkehr und gesteigerte CO2-Emissionen haben dem Ökosystem Meer in den letzten Jahrzehnten erheblichen Schaden zugefügt. Wie sich der industrielle Boom auf die Pflanzen- und Tierwelt der Küstenregionen ausgewirkt hat, hat ein Biologenteam aus China und den USA nun eingehend analysiert. Innerhalb einer Generation hat das wirtschaftliche Wachstum demnach deutliche Umweltprobleme verursacht. So sind etwa viele Fischarten verschwunden und Korallenriffe zerstört worden. Gefährliche Algenblüten haben hingegen zugenommen.


Für ihre Untersuchungen haben die Wissenschaftler Daten aus den Jahren 1950 bis 2010 aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und ausgewertet. Dabei sammelten sie Informationen über die Entwicklung des wirtschaftlichen Wachstums sowie menschlicher Einflussfaktoren in den Küstenregionen – zum Beispiel Düngemittelverbrauch, Fischfang, Marikulturen, Schiffsverkehr oder Abwasserproduktion. Außerdem untersuchten die Forscher, wie das Ökosystem auf diese Einflüsse reagierte: Wie veränderten sich die Fischbestände und die Größe der einzelnen Fische? Wie hoch war die Korallendichte? Wie häufig trat die sogenannte Rote Flut mit der schädlichen Algenblüte auf?

Schrumpfende Fische, schädliche Algen

Das Ergebnis der Datenanalyse ist eindeutig: Je mehr der Einfluss des Menschen mit den Jahren zunahm, desto schneller verstärkten sich auch viele Umweltprobleme. Während sich vor 1978 weder  die Vielfalt, noch die Körpergröße der Fische in Chinas Meeren veränderte, nehmen beide seit 1978 kontinuierlich ab. Dagegen taucht die Algenblüte immer häufiger auf – erlebten die Chinesen vor 1980 höchstens zehn Rote Fluten pro Jahr, sind es seit dem Jahr 2000 70 bis 120. Zudem ist die Korallendichte im Südchinesischen Meer dramatisch gesunken – auf weniger als 15 Prozent des Bestandes vor den Wirtschaftsreformen. „Ganz offensichtlich ist das Wirtschaftswachstum und nicht der Bevölkerungszuwachs der entscheidende Faktor für diese Entwicklungen in den Küstenbereichen", schreiben die Forscher. Die Wachstumsrate der Bevölkerung sei dort nämlich – anders als die der Wirtschaft – über die Jahre relativ konstant geblieben.

Hoffnung auf baldige Besserung könnte zwar die sogenannte Umwelt-Kuznets-Kurve (EKC) geben. Diese Hypothese besagt, dass die Umweltbelastung in frühen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung zunimmt, in späteren Phasen jedoch wieder abnimmt. Allerdings haben nach den Berechnungen der Wissenschaftler viele der schädlichen Einflussfaktoren diesen Wendepunkt noch lange nicht erreicht. Die Biologen fordern deshalb strikte Maßnahmen zum Schutz der Küsten und Meere im Land der Mitte.

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