Der Bio-Anbau bringt's

Getreide (thinkstock)

Monokulturen, jede Menge Spritzmittel und eine Bewirtschaftung im industriellen Maßstab: Konventionelle Landwirtschaft ist ökologisch fragwürdig, gilt aber als erheblich produktiver als der biologische Anbau. Wie groß die Ertragslücke zwischen diesen Anbauformen tatsächlich ist, haben US-Forscher nun in einer Metastudie überprüft. Ihr Fazit: Die Produktivität des biologischen Anbaus wurde bisher stark unterschätzt. Nutzt man Techniken wie den gemischten Anbau und den Fruchtwechsel, dann schrumpft die Ertragslücke auf weniger als zehn Prozent. Das aber bedeutet, dass auch mit biologischen Anbaumethoden weltweit genügend Nahrung für alle erzeugt werden kann.

Die konventionelle Landwirtschaft ist zwar enorm produktiv, verursacht aber auch viele Umweltprobleme, darunter den Verlust von Lebensräumen und der Artenvielfalt, Giftwirkungen durch Pestizide, Überdüngung von Böden und Gewässern und vieles mehr. "Wenn wir die Produktivität der Erde auf lange Sicht erhalten wollen, müssen wir so bald wie möglich nachhaltige und belastbare Praktiken entwickeln und einsetzen", konstatieren Lauren Ponisio und ihre Kollegen von der University of California in Berkeley. Doch der biologische Anbau gelte bisher als zu wenig produktiv, um den Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung decken zu können. "Das stellt uns vor ein Dilemma: Wie können wir die Nahrungsproduktion halten oder steigern, ohne die Nachhaltigkeit dafür zu opfern?", so die Forscher. Bisherige Vergleiche ergaben für den konventionellen Anbau ein Plus von 20 bis zu gewaltigen 180 Prozent.

Ponisio und ihre Kollegen haben diese Ergebnisse nun in der bisher umfangreichsten Metastudie zu diesem Thema überprüft. Für ihre Analyse griffen sie auf Daten aus 115 zuvor veröffentlichten Vergleichsstudien zurück. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern schlossen sie dabei verfälschende Ergebnisse aus einfacher Subsistenzwirtschaft in den Entwicklungsländern aus und verglichen primär Anbaumethoden mit vergleichbar hohem Wissens- und Technologiestandard. Insgesamt werteten sie 1.071 direkte Vergleiche von konventionellen und biologischen Anbaumethoden aus.

Eine Lücke von weniger als zehn Prozent

"Wir haben dabei eine deutlich geringere Ertragslücke gefunden als die vorhergehenden Metaanalysen", berichten die Forscher. Demnach liegen die Erträge aus der biologischen Landwirtschaft um rund 19,2 Prozent niedriger als die der konventionellen – und dies sowohl bei Getreide als auch bei Gemüse oder anderen Nutzpflanzen. Zusätzlich aber zeigte sich, dass es zwei Anbau-Praktiken gibt, die diese Lücke noch weiter verkleinern können: den Fruchtwechsel und den gemischten Anbau, bei dem verschiedene Pflanzen auf einem Feld zusammen angebaut werden. Durch die Pflanzenkombination ergeben sich Synergieeffekte sowohl bei der Nährstoffversorgung als auch bei der Schädlingsabwehr. Werden beide Anbaumethoden in der biologischen Landwirtschaft konsequent und stärker als beim  konventionellen Anbau üblich umgesetzt,  dann kann dies die Ertragslücke auf nur noch acht beziehungsweise neun Prozent  senken, wie die Forscher berichten.

Nach Ansicht von Ponisio und ihre Kollegen spricht dies dafür, dass der biologische Anbau durchaus eine vollwertige Alternative zur konventionellen Landwirtschaft sein kann. "Mit weiteren Investitionen in agroökologische Forschung und die Züchtung von geeigneten Sorten für den biologischen Anbau könnte die verbleibende Ertragslücke für einige Pflanzen und Regionen sogar ganz geschlossen werden", sagt Ponisio. Zudem bleibe dem Menschen auf lange Sicht ohnehin keine Wahl: Der Umstieg auf nachhaltige, biologische Anbaumethoden ist nach Ansicht der Forscher eine schlichte Notwendigkeit. "Wir können nicht damit fortfahren, Nahrung zu produzieren, ohne auf unsere Böden, unser Wasser und die Artenvielfalt Rücksicht zu nehmen", so die Forscher.

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