Konquistadoren als Umweltsünder

Blick auf den Quelccaya-Gletscher in Peru (Paolo Gabrielli, Ohio State University)

Als die spanischen Eroberer Süd- und Mittelamerika erreichten, endete dort die Ära der großen Hochkulturen und Reiche. Die Spanier brachten aber nicht nur Zerstörung, Tod und Krankheiten über die Indios, sie begannen auch eine für damalige Zeit beispiellose Umweltverschmutzung. Wie eine Analyse von Eisbohrkernen zeigt, sind die giftigen Spuren ihres Silberabbaus selbst im Eis entlegener Andengipfel nachweisbar. Die mit dem Wind dorthin transportierten Schwermetalle sind der älteste Nachweis anthropogener Umweltverschmutzung in Südamerika.

Mit dem Beginn der industriellen Revolution begann der Mensch, in großem Stil in die Umwelt einzugreifen. Vor allem die Abgase der Fabriken und die Abwässer verschiedener Industrieanlagen verschmutzen seither Atmosphäre und Gewässer. Die Spuren dieser Umweltsünden sind fast überall auf der Welt nachweisbar. Aber Umweltverschmutzung gab es auch schon früher. So lassen sich beispielsweise im Eis der grönländischen Gletscher Blei- und Arsen-Rückstände nachweisen, die bereits aus der Zeit der Römer stammen. Auf der Südhalbkugel gab es jedoch solche frühen Spuren der Umweltverschmutzung nicht – bis jetzt.

Lonnie Thompson von der Ohio State University in Columbus und seine Kollegen haben nun Zeugnisse einer weitreichenden Verschmutzung entdeckt, die bereits rund 240 Jahre vor der industriellen Revolution begann. Sie stammen aus Eiskernen, die die Forscher aus dem Quelccaya-Gletscher in Peru erbohrten. Das Eis dieser Bohrkerne reicht bis ins Jahr 793 zurück und enthält damit Einschlüsse von Luft aus den letzten rund 1.200 Jahren. Die Analyse der Eisbohrkerne zeigt einen deutlichen Sprung etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Im Zeitraum davor enthalten die Einschlüsse kaum Schwermetalle, nur einige kurzzeitige, von Vulkanausbrüchen verursachte Spitzen sind zu erkennen. Doch ab etwa 1540 steigen die Konzentrationen vor allem von Blei, aber auch von Arsen, Antimon und anderen Schwermetallen deutlich an, wie die Forscher berichten.

Zum Silberabbau gezwungen

Die Quelle dieser Kontamination verorten Thompson und seine Kollegen vor allem in einer Silbermine im Süden Boliviens. Die mehr als 800 Kilometer von dem Andengletscher entfernte Cerro Rico de Potosi war zur Zeit der spanischen Conguista die größte Silbermine der Anden. Die Spanier zwangen hier die Inka, für sie Erz abzubauen. Für die Silbergewinnung führten sie eine den Inka noch unbekannte Methode ein, bei der das zerkleinerte Erz mit flüssigem Quecksilber übergossen wurde. Das giftige Schwermetall löste das Silber aus dem bleihaltigen Erz. Die giftigen Relikte dieser Abbaupraxis lassen sich heute noch in örtlichen Seesedimenten nachweisen.

Dass die Umweltverschmutzung damals weit über die lokale Ebene hinausreichte, belegt nun der Nachweis der Schwermetall-Rückstände im peruanischen Andengletscher. "Dass wir eine Verschmutzung des Eises an einem so entlegenen Hochgebirgsort nachweisen, zeigt, wie stark und weitverbreitet die Verschmutzung damals war", sagt Koautor Paolo Gabriello von der Ohio State University. Die im Andengletscher detektierten Schwermetallwerte sprechen für einen wahre Schmutzfahne, die von den Silberminen aufstieg und vom Wind über hunderte von Kilometern weitergetragen wurde – immerhin rund 240 Jahre vor der Industrialisierung. Damit sind diese Gletschereinschlüsse der früheste Nachweis von Umweltverschmutzung in Südamerika. Allerdings: Das Ausmaß der Verschmutzung seit dem 20. Jahrhundert erreichen diese frühen Spuren bei weitem nicht.

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