Licht im Stadion an, Artenvielfalt aus?

Credit: Thinkstock

Wo Menschen leben, bleibt es nachts oft hell: Ob Straßenlaternen, Leuchtreklame oder Stadionstrahler – künstliche nächtliche Beleuchtung sorgt in Städten dafür, dass es nie richtig dunkel wird. Diese Lichtverschmutzung beeinflusst auch die Tierwelt, wie nun eine Studie an Fledermäusen im Umfeld von beleuchteten Sportstadien zeigt. Während bestimmte Arten der fliegenden Säuger von den menschengemachten Lichtquellen profitieren, werden andere durch sie vertrieben – eine Gefahr für die Artenvielfalt.

Nächtliche Satellitenbilder aus dem All zeigen es eindrücklich: Auch nachts lässt der Mensch die Erde leuchten – besonders hell in den städtischen Ballungszentren. Die starke Lichtverschmutzung wirkt sich dort auch auf viele nachtaktive Tiere aus, weil die künstliche Helligkeit ihre Lebensräume grundlegend verändert. Das hat konkrete Folgen für die Verbreitung bestimmter Arten, wie nun die Studie der University of KwaZulu-Natal im südafrikanischen Durban verdeutlicht.

Die Ökologin Corrie Shoeman hat untersucht, wie sich das grelle Flutlicht in Sportstadien auf das Vorkommen verschiedener Fledermausarten auswirkt. Ihre Hypothese: Arten, die gut an städtische Strukturen angepasst sind, nutzen erhellte Stadien für die Beutejagd nach lichtliebenden Insekten. Solche Arten nennen Experten „urban exploiters". Sie verbreiten sich bevorzugt in Städten, nutzen zum Beispiel auch Gebäude und Brücken als Schlafplätze – kurzum: sie profitieren von der Stadt. Bestimmte andere Arten, so Shoemans Vermutung, dürften im Umfeld der Stadien dagegen kaum zu finden sein. Dazu gehören vor allem langsam fliegende Fledermäuse, die bevorzugt in dichter Vegetation jagen.

Schnelle Jäger im Flutlicht

Sieben Stadien in der Region um Durban herum hat die Wissenschaftlerin dafür insgesamt zwölf Nächte lang akustisch überwacht, um Fledermausrufe aufzuzeichnen. Die Aufnahmen machte sie sowohl in der Trocken- als auch in der Regenzeit – jeweils an drei Nächten, an denen das Stadion erhellt war und an drei Nächten, an denen das Stadion im Dunkeln lag. Ihre Ergebnisse hat Shoeman nun im Fachblatt Animal Conservation veröffentlicht.

Demnach war die Fledermausaktivität unabhängig von der Jahreszeit immer dann besonders hoch, wenn die Lichter in den Stadien an waren. Zwölf verschiedene Arten konnte Shoeman in den Stadien identifizieren. Wie erwartet, dominierten dabei vor allem vier Fledermausarten, die Wissenschaftler zu den „urban exploiters" zählen – am häufigsten tauchte in jedem Stadion  Chaerephon pumilus aus der Familie der Bulldoggfledermäuse auf. Die kleine Fledermaus gehört zu den kleinsten sogenannten Freischwanzfledermäusen und ist bei der Futtersuche im Flug besonders schnell unterwegs.

Homogenität statt Vielfalt

Für Shoeman ist damit klar: Während bestimmte afrikanische Fledermausarten offensichtlich von den künstlichen Lichtquellen als Futterplatz zu profitieren scheinen, wirken sich die Lichter auf andere Arten der fliegenden Säuger wiederum nachteilig aus – beispielsweise auf Rhinolophus simulator. Von dieser eher langsamen Fledermaus registrierte Shoeman während der gesamten Untersuchung nur ein einziges Exemplar, und zwar in einer dunklen Stadionnacht. Wahrscheinlich meidet R. simulator das Licht und die offene Fläche, um nicht selbst zur Beute von Eulen oder anderen Jägern zu werden. Neben der Lichtverschmutzung leidet die Art zudem an anderen Folgen der Verstädterung: Sie findet unter anderem kaum noch Höhlen, die sie als Unterschlupf zum Schlafen und Rasten benötigt.

„Die Lichtverschmutzung und andere menschengemachte Eingriffe in die Natur bedeuten also eine Bedrohung für die Artenvielfalt", sagt Shoeman.  Denn die zunehmenden städtischen Einflüsse favorisierten wenige angepasste Fledermausarten mit ganz bestimmten Merkmalen und könnten so auf lange Sicht zu einer Homogenisierung führen.

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