Tierverlust schwächt grüne Kohlenstoffspeicher

Wenn bestimmte Tierarten verschwinden, verändert sich der Wald ungünstig. Credit: Pedro Jordano

Die tropischen Regenwälder Süd- und Mittelamerikas bilden die bedeutendste grüne Lunge der Erde. Ihr Baumbestand kann Milliarden Tonnen Kohlendioxid aufnehmen – und gehört damit zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern auf dem Land. Neben der Rodung durch den Menschen gibt es einer aktuellen Studie zufolge noch einen weiteren Faktor, der diese wertvolle Funktion schwächt: Auch Verluste in der Tierwelt wirken sich negativ auf die Speicherkapazität der Wälder aus.

Dass die Entwaldung durch Abholzung und Brandrodung die CO2-Speicher in den Tropen bedroht, ist nichts Neues. Insbesondere die hochgewachsenen Urwaldriesen entziehen der Atmosphäre große Mengen an Kohlenstoffdioxid und speichern es in Form von Kohlenstoff – insgesamt ist in ihnen ungefähr 40 Prozent des terrestrischen Kohlenstoffs gebunden. Weil immer mehr Bäume vernichtet werden, nehmen die Wälder jedoch immer weniger des Treibhausgases auf.


Ein weiterer, bislang unbeachteter Faktor scheint allerdings ebenfalls stark zur nachlassenden Speicherfähigkeit der Regenwälder beizutragen: der Verlust großer früchtefressender Wirbeltiere. „Viele der tropischen Baumriesen sind darauf angewiesen, dass Tiere ihre Samen weiterverbreiten. Nur so können sie sich fortpflanzen", erklären Carolina Bello von der Universidade Estadual Paulista in São Paulo und ihre Kollegen im Fachmagazin Science Advances. Viele dieser Tiere seien jedoch akut bedroht, durch Jagd, illegalen Handel und den Verlust ihrer Lebensräume.

Schlüsselrolle für Früchtefresser

Die Wissenschaftler haben deshalb untersucht, wie sich das Verschwinden wichtiger Samentransporteure auf die CO2-Speicher im Atlantischen Regenwald auswirkt. Dafür simulierten sie in verschiedenen Szenarien das lokale Aussterben von  Baumarten, die von Früchtefressern abhängig sind. Das Ergebnis: Selbst wenn nur ein kleiner Anteil dieser Bäume in einer Waldgesellschaft verschwindet, kann das die gesamte Speicherfähigkeit signifikant beeinträchtigen. „Der Verlust von Fauna ist eine weitgehend verkannte Gefahr, die die Nachhaltigkeit der Regenwälder als Langzeitspeicher stark beeinflusst", schreibt das Team.


Den Forschern zufolge lassen sich die Resultate auch auf den weitaus größeren Amazonas-Regenwald übertragen. Auch dort sei ein Großteil der Baumarten, die knapp die Hälfte des Kohlenstoffs speicherten, auf große früchtefressende Tiere für die Samenverbreitung angewiesen. Hier dürfte sich ein Verlust dieser Bäume besonders extrem auf die globalen Kohlenstoffemissionen auswirken. Denn der Regenwald des Amazonasbeckens ist der größte CO2-Speicher des Festlandes und kann laut der Naturschutzorganisation WWF 80 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aufnehmen – also etwa so viel, wie die Menschen weltweit innerhalb von zehn Jahren produzieren.

Speicherleistung am Limit

Nicht in allen tropischen Regenwäldern dominieren jedoch die von Früchtefressern abhängigen Baumarten. In solchen Regionen wirke sich der Effekt dementsprechend langsamer aus, schränken die Wissenschaftler ein. Das sei zum Beispiel in einigen Wäldern Südostasiens der Fall.


Dennoch: Insgesamt müsse nicht nur die menschengemachte Entwaldung, sondern auch der Verlust der Tierwelt als Schlüsselfaktor für die nachlassenden Aufnahmefähigkeiten der tropischen Regenwälder anerkannt werden. Das Verschwinden von Fauna und damit das Verschwinden wichtiger Interaktionen im Ökosystem stelle auf lange Sicht eine ernste Bedrohung für die grünen CO2-Speicher dar. „Unsere Ergebnisse betonen erneut, dass der Wald als Kohlenstoff speichernder Dienstleister ein zerbrechliches System ist – gerade unter den aktuellen Veränderungen durch den Klimawandel."

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