Weltweite Stickstoff-Fußabdrücke erfasst

Neben dem Kohlendioxid- gibt es auch einen Stickstoff-Fußabdruck. (Illustration: jameslee1/iStockphoto.com)

Problematische Fußabdrücke: Neben dem bekannten Kohlendioxid-Fußabdruck sorgt der Mensch auch für eine weitere kritische Spur auf unserem Planeten: Wir hinterlassen einen Stickstoff-Fußabdruck, betonen Forscher. Die stickstoffhaltigen Substanzen, die vor allem durch die Landwirtschaft in die Umwelt eingetragen werden, bergen Risiken für Umwelt und Klima. Eine Analyse der weltweiten Güterströme hat in diesem Zusammenhang nun belegt: Die hochentwickelten Länder lagern die Freisetzung in Entwicklungsländer aus.

Stickstoff ist ein fundamentaler Baustein aller Lebewesen – vor allem eiweißhaltige Substanzen sind reich an diesem Element. In vielen Verbindungen ist es unproblematisch, doch nicht so bei den sogenannten reaktiven Formen wie Amoniak, Stickoxiden oder Nitrat. Eine durch den Menschen verursachte Überlastung durch die reaktiven Stickstoffverbindungen kann die Gesundheit beeinträchtigen, sauren Regen verursachen, Gewässer überdüngen und in Form von Distickstoffmonoxid (Lachgas) auch den Klimawandel beschleunigen. Der Großteil der Freisetzung von reaktiven Stickstoffverbindungen entsteht durch die Landwirtschaft, da hier große Mengen Stickstoff als Düngemittel eingesetzt werden. Weitere Verursacher sind zudem Verkehr, Industrie und private Haushalte.

Die Forscher um Manfred Lenzen von der University of Sydney sind nun den weltweiten Fußspuren der Stickstoffreitsetzung erstmals systematisch nachgegangen. Anhand von Wirtschaftsmodellen erfassten sie dazu bei 188 Ländern die Stickstoff-Emissionen aus der Produktion, dem Transport und dem Verbrauch von Rohstoffen. Sie zeichneten zudem genau nach, wo die Produkte, die für diese Freisetzungen verantwortlich sind, letztlich landen. Aus den Daten entwickelten sie eine Karte, in der sich die Verbindungen des weltweiten Stickstoff-Systems widerspiegeln.

Emissionen in arme Länder ausgelagert

Es zeichnet sich klar ab: Rund ein Viertel der globalen Stickstoffemissionen stammen aus der Produktion von Gütern und Waren, die außerhalb ihres Herkunftslandes verbraucht werden. Bei den Importeuren handelt es sich dabei fast ausschließlich um die reichen Staaten, die demnach die Freisetzungen in arme Länder auslagern: "Hocheinkommensländer sind für mehr als zehnmal mehr Emissionen verantwortlich als die armen Nationen", sagt Co-Autorin Arunima Malik. Den Forschern zufolge spiegelt sich in dem Zusammenhang der hohe Verbrauch von importierten landwirtschaftlichen Produkten und Waren wider. In manchen Ländern ist der Verbrauch von Fremdwaren so groß, dass sie in anderen Ländern mehr Stickstoffbelastung verursachen als im eigenen. Eine Ausnahme unter den hochentwickelten Ländern bildet Australien. Dabei zeigt sich die große Rolle der Landwirtschaft: Durch seine enorme Produktion von Lebensmitteln wird Australien zu einem Netto-Exporteur bei den Stickstoff-Emissionen.

Den Forschern zufolge sollte der Stickstoff-Problematik mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn es gibt deutliche Parallelen zur Entwicklung bei der Freisetzung kritischer Kohlenstoffverbindungen: "Wir wissen, dass durch das Bevölkerungswachstum auch die Stickstoffemissionen weiter steigen werden", sagt Lenzen. "Die Politik ist nun gefragt, die Verknüpfungen der weltweiten Stickstoff-Verbindungen zu beachten, um Umweltbelastungen entgegenzuwirken", meint der Wissenschaftler.

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