Rettendes Sandwich

Illustration: Hubert Warter
Illustration: Hubert Warter

Am Beginn der segensreichen Erfindung, um die es hier geht, steht ausgerechnet ein Malheur. Genauer gesagt, deren zwei. Panne Nummer eins: Der gesuchte Chemiker experimentierte mit einem farb­losen zähflüssigen Sirup. Der entstand, wenn er eine bestimmte, stark stickstoffhaltige Substanz in einem Lösungsmittel löste – meist einem Gemisch aus Äther und Alkohol. Irgendwann vergaß der Experimentator, eines der Glasfläschchen zuzustöpseln, in denen er den Sirup aufbewahrte. Unbemerkt verdunstete das Lösungsmittel.

Die gelöste Substanz blieb zurück und kleidete nun als dünne Schicht unsichtbar die Wand des Gefäßes von innen aus. ­Einige Zeit später geschah Panne Nummer zwei: Der Mann stieß dieses offene Fläschchen versehentlich vom Labortisch.

Scherben bringen Glück, heißt es, aber in diesem Fall bestand der Glücksfall genau darin, dass es keinerlei Scherben gab. Die Glaswand des Gefäßes war zwar an mehreren Stellen geborsten, doch nicht zersprungen. Der inwendige Film hatte die Fragmente offenbar zusammengehalten. Der Chemiker staunte – und stellte das Gefäß mit ­einem Achselzucken beiseite.

Es dauerte sechs Jahre, bis er es wieder zur Hand nahm. Schockiert erlebte der Chemiker, wie eine junge Frau bei einem Verkehrsunfall fürchterliche Verletzungen durch splitterndes Glas davontrug. Er erinnerte sich an seine Entdeckung. Nach zeitgenössischen Berichten dauerte es nur Stunden, bis er das Prinzip des nicht zersprungenen Fläschchens auf eine flächige Sandwich-Konstruktion aus zwei Glasscheiben und einer dazwischenliegenden Anti-Splitter-Schicht übertragen hatte.

Es folgten Patent, Firmengründung und wirtschaftlicher Erfolg – allerdings zunächst nicht auf dem Verkehrssektor, sondern auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.

Um welchen Chemiker handelt es sich?

Die Auflösung finden Sie hier.

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