Als Erster am Markt

Illustration: Hubert Warter
Illustration: Hubert Warter

Der Hohe Rat war ratlos. Gerade eben hatte dieser Brillen­macher aus der Provinzhauptstadt ein Patent für eine bedeutende Innovation beantragt. Der Mann hatte sofort den Auftrag erhalten, ein solches Gerät anzufertigen.

Aber nur wenige Tage danach rückte der Nächste an und verlangte ein Patent auf dasselbe – ebenfalls ein Brillenmacher, und er behauptete, er sei der wahre Erfinder. Dann kam noch ein Dritter mit demselben Anliegen! War etwa ein kollektiver Wahn unter den Glashandwerkern ausgebrochen? Irritiert weigerte sich der Hohe Rat, überhaupt irgendwem ein Patent für das ­Instrument zu erteilen.

Manchmal kommt es offenbar auf Schnelligkeit an. So ist zwar bis zum heutigen Tag unklar, wer tatsächlich als Erster die Idee gehabt hat. Fakt ist aber: Der erste Antragsteller sputete sich am meisten, eines zu bauen – und nicht nur eines, sondern mehrere, die bereits ein Jahr nach dem Patentantrag betuchten Parisern zum Kauf angeboten wurden. Er war schlicht der Erste am Markt. Darum steht sein Name heute als Erfinder dieser Ge­räte in den Annalen. Auch in ­Italien tauchten die neuen Instrumente auf. Ein Professor in Padua hörte Beschreibungen davon und versuchte sich erfolgreich an einem Nachbau, mit dem ihm bahnbrechende Beobachtungen gelangen.

Historische Tatsache oder nur eine hübsche Geschichte? Angeblich hatte der Gesuchte den entscheidenden Geistesblitz, als er Kindern in seinem Laden beim Spielen zusah. Die hätten zufällig entdeckt, dass man den Wetterhahn auf der Kirchturmspitze viel besser sah, wenn man zwei bestimmte Brillenlinsen mit gewissem Abstand hintereinander hielt und dann durchschaute.

Wer war es?

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