Fataler Sprung

Illustration: Hubert Warter
Illustration: Hubert Warter

Hat die Zunft der Schneider eigentlich eine geheime Neigung zu Luftreisen? Für diese These spräche der tragische Fall - im doppelten Wortsinn - des Albrecht Ludwig Berblinger, des "Schneiders von Ulm", der mit einem selbst gebauten Flug­gerät 1811 in der Donau landete. Auch der in diesem Rätsel Gesuchte war ein Schneider. Auch er hatte ein Faible für die Fliegerei - und auch er scheiterte, 101 Jahre nach Berblinger.

Kann ein Pilot sich retten, wenn er erkennt, dass seine Maschine defekt ist und unweigerlich abstürzen wird? Auf diese Frage wussten die Luftfahrtpioniere fast ein Jahrzehnt nach der Erfindung des Motor­flugzeugs ­- 1903 durch die Ge­brüder Wright - immer noch keine klare Antwort. Aber da gab es diesen Schnei­der, Leiter eines erfolgreichen Studios, der felsenfest behaup­tete, mit seinem Fallschirm­anzug sei das problemlos mög­lich: Nach dem Aus­stieg aus dem Flugzeug entfalte der Anzug zwei fledermausflügelartige Gleit­flächen, die den Träger sanft nach unten schweben ließen. Er selbst sei bereit, vor den Augen der Weltöffent­lichkeit den Beweis anzutreten: durch einen Sprung von der 57 Meter hohen Platt­form eines berühm­ten Bauwerks.

Hart aufgeschlagen

Mehr PR-Rummel geht nicht. Dut­zen­de Journalisten und Hun­derte Schau­lustige waren an dem frostigen 4. Februar 1912 zur Stelle. Nur von einem Freund und einem Ka­mera­mann begleitet, stieg der Schnei­der zur Platt­form empor. Und er sprang. Während der nicht ganz vier Sekunden, die sein Sturz dauerte, entdeckte er etwas ungemein Bedauer­liches: Die Gleit­schirme öffne­ten sich nicht rechtzeitig. Beim Aufprall schlug der Körper eine 15 Zentimeter tiefe Mulde in den hartge­fro­renen Boden.

Es blieb anderen vorbehalten, zuver­lässige Fallschirme zu bauen.

Wer war es, der so tief und hart fiel?

Die gesuchte Person wird hier verraten.

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