Das geträumte Molekül

Illustration: Hubert Warter
Illustration: Hubert Warter

Es geschah in einer belgischen Universitätsstadt, an einem Winterabend des Jahres 1861. Ein junger Chemie-Dozent schrieb in seiner Wohnung am Manuskript eines Lehrbuchs. Aber seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ein rätselhaftes Molekül spukte ihm im Kopf herum.

Die Summenformel dieser Verbindung war seit 1834 bekannt – aber welche Strukturformel hatte sie, welche räumliche Gestalt? Die Kohlenstoff-
Atome, die offenbar das Gerüst des ­Moleküls bildeten, verhielten sich Reaktionspartnern gegenüber allesamt völlig gleichwertig. Das konnte bisher kein Chemiker dieser Epoche zufriedenstellend erklären.

Der Dozent, Spross eines alten böhmischen Adelsgeschlechts, schob das Manuskript zur Seite und legte den ­Federhalter weg. Was dann geschah, ­beschrieb er selbst später so:

Eine chemische Vision

„Ich drehte den Stuhl nach dem Kamin und versank in Halbschlaf. Wieder gaukelten die Atome vor meinen Augen. Mein geistiges Auge unterschied jetzt größere Gebilde von mannigfacher Gestaltung, schlangenartig sich windend und drehend. Und siehe, was war das? Eine der Schlangen erfasste den eigenen Schwanz, und höhnisch wirbelte das Gebilde vor meinen Augen."

Fast vier Jahre gingen ins Land, bis der Träumer vor dem Kamin sich mit seiner „chemischen Vision", wie er sie selbst nannte, an die Öffentlichkeit wagte. Tatsächlich hatte er im Halbschlaf die korrekte, langgesuchte Struktur des ­Moleküls entdeckt – und damit das Tor zu einem großen neuen Zweig der Chemie aufgestoßen. Diese wahre Anekdote gehört zu den bekanntesten der chemischen Wissenschaft.

Wie heißt die chemische Verbindung, deren Struktur ein kreativer Kopf erträumte?

Die Auflösung finden Sie hier.

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