Künstliche Netzhaut aus keramischen Photozellen kurz vor ersten Tests am Menschen
Dünne Filme aus lichtempfindlichen Keramiken könnten in Zukunft Blinde wieder sehen lassen. Verlieren die natürlichen Sehzellen auf der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen, ihre Funktionsfähigkeit, wollen US-Forscher eine flache Kunststoff-Folie mit rund 100 000 keramischen Lichtzellen auf die Netzhaut eines blinden Patienten verpflanzen. Jeder dieser winzigen Detektoren ist dabei etwa 20 mal so dünn wie ein menschliches Haar.
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Es gibt einige Krankheiten, bei denen die natürlichen Sehzellen nicht mehr funktionieren, aber alle Nervenverbindungen weiterhin arbeiten können, beschreibt Alex Ignatiev, Professor der University of Houston , das Anwendungsgebiet. "Diese Detektoren bestehen aus dünnen Filmen, die Atom für Atom, Schicht für Schicht auf einer Unterlage wachsen", so Ignatiev. Mit diesem so genannten epitaktischen Wachstum von Kristallen, dass NASA-Forscher bisher für die Herstellung von Schutzschilden für das Space Shuttle nutzen, werden nun Polymer-Filme mit lichtempfindlichen Zellen beschichtet. Ein Vorteil liege nach Aussage der Forscher darin, dass Versorgung des Auges mit Nährstoffen und Sauerstoff durch diese Filme nicht gravierend behindert werde.
Die ersten Versuche an menschlichen, blinden Patienten sollen bereits in diesem Jahr an der University of Texas Medical School in Houston erfolgen. Dabei hoffen die Forscher, dass das Gehirn die elektrischen Signale, erzeugt durch Lichteinfall auf die künstlichen Sehzellen, nach einer Lernphase ähnlich verarbeiten kann wie die Signale der natürlichen Zellen zuvor. Unklar bleibt auch, wie lange diese "bionischen Augen" funktionieren und welche Auflösung sie liefern werden. "Wir werden all dies erst erfahren, wen wir die Detektoren den ersten Patienten eingepflanzt haben", so Charles Garcia, Augenchirurg der University of Texas. 200 Patienten hätten bereits Interesse an diesen Operationen gezeigt, so Igantiev.
Jan Oliver Löfken


















