Deutscher Forscher macht in Argentinien sensationelle Dino-Funde
Müde aber glücklich lässt der deutsche Dinosaurier-Forscher Oliver Rauhut Hammer und Meißel aus der Hand in den Sand der Steppe Patagoniens fallen. Eine Woche hat der 31-jährige in Aachen aufgewachsene Wirbeltier-Paläontologe mit seinen argentinischen Helfern mal wieder Knochenarbeit geleistet. Und die Mühe im erst kürzlich entdeckten Jurassic-Park rund 1600 Kilometer südwestlich von Buenos Aires hat sich mehr als gelohnt. "Noch ein unbekannter Dinosaurier, dem wir einen Namen geben müssen", lacht der Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und blinzelt in die goldene Abendsonne.
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Zwar war der Sandstein rund um das Rückgrat des 160 Millionen Jahre alten Dinosauriers so hart und die Meißel so weich, dass alle Zeitpläne durcheinander geraten sind. Eine Bergung des zu Lebzeiten etwa acht Tonnen schweren Tieres noch in diesem Sommer der Südhalbkugel ist deshalb nicht mehr möglich. Dennoch wird die Stimmung unter den jungen Forschern höchstens von den zur Neige gehenden Lebensmitteln im Grabungscamp gedämpft.
"Reis mit Reis", knurrt einer der freiwilligen Schwerarbeiter. "Und statt Bier gibt es nur noch Brausepulver", ruft ein anderer mit echter Leidensmine dazwischen. Schallendes Gelächter. Die rheinische Frohnatur Rauhut versteht sich bestens mit den immer zu Scherzen aufgelegten Argentiniern.
Dabei hätten die jungen Leute vom paläontologischen Museum MEF in der 400 Kilometer entfernten Provinzstadt Trelew jeden Anlass, mit Champagner auf die sensationellen Funde aus dem Erdmittelalter anzustoßen. Vor allem Hinweise einheimischer Schafhirten haben Rauhut und seine Kollegen in der fast menschenleeren Steppenlandschaft auf die Spur mehrerer bisher unbekannter Arten geführt.
Daniel Mesa, der mit Frau und zwei kleinen Kindern in der Einöde lebt, ist einer von ihnen. "Erst hat er uns nur kleinere Knochen gezeigt, aber als er Vertrauen fasste, hat er uns hierher in die Nähe des Berges Chivo (Ziegenbock) geführt", erinnert sich Rauhut. Der Deutsche, dem das Recht der Namensgebung zukommt, will die neue Art deshalb nach dem eigentlichen Finder benennen.
Zwei Pflanzen fressende und ein Fleisch fressender Dinosaurier, Wasserschildkröten, primitive Urfische, Frösche, Flugsaurier und sogar ein mausgroßes Säugetier - alle bisher unbekannt und aus dem mittleren bis oberen Jura vor etwa 160 Millionen Jahren - sind die stattliche Ausbeute nur einer Suchsaison. Die Funde stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Auseinanderbrechen des Urkontinents Pangäa in die beiden Teile Laurasia im Norden und Gondwana im Süden. "Hier erstrecken sich die jurassischen Gesteine auf Tausenden von Quadratkilometern und es ist noch Arbeit für ein paar Hundert Jahre", ist sich Rauhut sicher.
Der DAAD hat das einjährige Stipendium für die Erforschung der Frage bewilligt, wie weit sich die Tiere damals auf Gondwana bereits von den Funden im Norden unterschieden. "Dass wir dann noch so viele andere Funde gemacht haben, hat uns völlig überrascht und unheimlich gefreut", erzählt Rauhut ziemlich bescheiden. Die Verlängerung des Stipendiums um ein weiteres Jahr ist beantragt. "Wir hoffen sehr, dass der DAAD unsere Arbeit weiter unterstützt", sagt der frühere Student der FU-Berlin und Doktor der Universität Bristol.
Vor allem das nur mausgroße Säugetier, von dem der versteinerte Unterkiefer gefunden wurde, könnte sich als wissenschaftliche Sensation herausstellen. Der Fund wird zurzeit in Deutschland untersucht und erste Ergebnisse seien vielversprechend. Mehr will Rauhut vor der wissenschaftlichen Analyse und Publikation nicht andeuten.
"In den Medien wird immer von den größten, ältesten oder schrecklichsten Dinosauriern berichtet und dann immer nur unter der Rubrik Buntes aus aller Welt", beklagt Rauhut. Für das Verständnis der Evolution und damit auch der heutigen Tier- und Pflanzenwelt seien aber die Funde möglichst vieler verschiedener Arten aus ein und derselben Epoche viel wichtiger. "Dann kann man sich ein viel besseres Bild von der damaligen Zeit machen", berichtet Rauhut, während er den Jeep in wilder Fahrt durch die Steppe steuert. Einige Nandus (straußenähnliche Vögel), wie alle heutigen Vögel entfernte Verwandte des gefürchteten Tyrannosaurus rex, ergreifen vorsichtshalber die Flucht vor Rauhut und seinem schlingernden Gefährt.
dpa



















