Computer simuliert Struktur des Chicxulub-Kraters
Meteoriten Einschlag im Tertiär verflüssigte kurzzeitig den Untergrund und führte zu punktförmigen Erhebungen und ringförmigen Störungen
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Lange spekulierten Wissenschaftler über das Ende der Saurier, und spätestens als man 1990 vor der mexikanischen Yucatan-Halbinsel auf einen gigantischen Krater stieß, stand fest, dass ein Meteoriteneinschlag einem Großteil der Lebewesen am Ende der Kreide den Garaus machte. Mittlerweile ist die Struktur dieses Chicxulub-Kraters durch unzählige seismische Untersuchungen bekannt - und viel komplexer, als man bisher annahm.
Gareth Collins von der T H Huxley School of Environment, Earth Sciences and Engineering am Imperial College in London hat nun versucht, die Ereignisse mit einem Computermodell zu simulieren. Demnach muss sich der Untergrund infolge des Einschlages kurzzeitig wie eine Flüssigkeit verhalten haben. Collins konnte auf das umfangreiche Datenmaterial des Chicxulub Seismic Experiment zurückgreifen, das den Aufbau des einst 200 Kilometer durchmessenden Kraters klären sollte. Dabei stießen die Wissenschaftler auf komplizierte interne Strukturen, die beispielsweise auch von Kratern auf dem Mond bekannt sind. Vor allem die Prozesse, die durch das Kollabieren des Kraters direkt nach dem Ereignis entstanden, blieben weitgehend im Dunkeln.
Collins glaubt nun, dass die punktförmigen Erhebungen im Inneren des Kraters sowie ringförmige Störungssysteme Folge eines hydrodynamischen Verhaltens des Untergrundes sind. Dafür verantwortlich war der Prozess der Acoustic Fluidization. Demnach verwandelte die enorme Schockwelle die Gesteine kurzfristig in eine flüssige Masse körnigen Materials, das sich nun so ähnlich verhielt, wie Getreide bei der Abfüllung in Säcke. Mithilfe dieser kurzfristigen Verflüssigung entstanden - zumindest auf dem Bildschirm - die gleichen Gipfel- und Ringstrukturen, wie sie auch vor der Küste Mexikos zu finden sind.
Aufgrund dieser Ergebnisse wollen die Forscher nun auch die Auswirkungen dieses dramatischen Ereignisses vor rund 65 Millionen Jahren abschätzen. Denn noch sind im Zusammenhang mit dem Massensterben zu jener Zeit längst nicht alle Zweifel ausgeräumt. Kurz zuvor kam es nämlich weltweit bereits zu vermehrter vulkanischer Aktivität, in dessen Folge es vermutlich zu einschneidenden Veränderungen im globalen Klima kam. Vielleicht hat der Meteorit den geschwächten Sauriern also nur den letzten Rest gegeben.
Joachim Schüring



















