Facebook: Jedem seine eigene News-Welt

Soziale Netzwerke wie Facebook haben einen Echokammer-Effekt (Foto: Alexsl/iStock)

Der berüchtigte Echokammer-Effekt von Facebook und anderen sozialen Netzwerken sorgt dafür, dass Nutzer vornehmlich die Posts und Nachrichten zu sehen bekommen, die ihre Meinungen bestätigen. Jetzt zeigt sich, dass dieser Effekt sich sogar beim News-Konsum der Nutzer auf Facebook nachweisen lässt. Auch hier lesen, liken und teilen die meisten Nutzer vornehmlich Meldungen von einigen wenigen, ihnen genehmen Medien. Dies trägt ebenfalls dazu bei, die Polarisierung zu verstärken, wie die Forscher erklären.

Soziale Netzwerke wie Facebook sind für viele Menschen längst Teil des Alltags: Weltweit posten Menschen Millionen Facebook-Einträge pro Stunde, für viele ist der Blick ins soziale Netz sogar zum wichtigsten Informations- und Kommunikationsmittel geworden. Das allerdings hat erhebliche Folgen für die Einzelnen, aber vor allem für die Gesellschaft. "Soziale Medien und Mikroblogging-Plattformen haben die Art und Weise verändert, wie wir Informationen bekommen und uns unsere Meinung bilden", erklären Ana Lucia Schmidt vom IMT Forschungszentrum in Lucca und ihre Kollegen. Denn Facebook und Co zeigen ihren Nutzern die News und Posts nicht in willkürlicher Auswahl oder Reihenfolge – im Gegenteil: Ausgeklügelte Algorithmen zeigen die Posts und Nachrichten zuerst, die den Vorlieben des Nutzers entsprechen. Als Folge bekommen wir jeweils einen auf uns zugeschnittenen Ausschnitt der Welt präsentiert, während unliebsame Meldungen, so wichtig und wahr sie auch sein mögen, ungelesen bleiben. Das jedoch hat zur Folge, dass das soziale Netzwerk die bereits bestehenden Meinungen und Vorurteile der Nutzer verstärkt und zur Bildung von fast hermetisch abgetrennten Communities führt, die Posts vor allem untereinander teilen. Forscher bezeichnen diesen Effekt auch als Echokammer. Durch ihn verbreiten sich auch Verschwörungstheorien und Fakenews besonders schnell und halten sich hartnäckig – ein Problem, das in vielen Ländern zu einer Spaltung der Gesellschaft zu führen droht.

Wie stark dieser Echokammer-Effekt nicht nur private Posts betrifft, sondern auch die Meldungen von etablierten Nachrichtenportalen, haben nun Schmidt und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie werteten sie den News-Konsum von 376 Millionen Facebook-Nutzern zwischen 2010 und 2015 aus. Sie analysierten dabei, wie oft und wie lange Nutzer die Meldungen von 920 Medien aus aller Welt auf Facebook teilten, likten und kommentierten und mit wem sie sie teilten. Vertreten waren nahezu alle großen englischsprachigen Fernsehsender, Zeitungen und Nachrichtenmagazine.

Keine Meinungsvielfalt

Die Auswertung ergab: Auch im Hinblick auf die Meldungen seriöser Medien herrscht auf Facebook keineswegs Meinungsvielfalt. Stattdessen wirkt auch hier der Echokammer-Effekt: "Der News-Konsum auf Facebook ist von selektiver Präsentation dominiert", berichten die Forscher. Demnach nutzen die meisten Facebook-Nutzer nur wenige Nachrichtenquellen und teilen bevorzugt auch nur die Meldungen dieser Portale. "Dadurch bleiben die meisten Nutzer innerhalb spezifischer Cluster", so Schmidt und ihre Kollegen. "Auch in Bezug auf den News-Konsum sind die Nutzer stark polarisiert und konzentrieren ihre Aufmerksamkeit auf nur einen kleinen Ausschnitt der verfügbaren Nachrichtenquellen." Diese entsprechen in ihrer Ausrichtung häufig den Einstellungen, die die Nutzergruppen ohnehin schon vertreten. "Trotz der breiten Verfügbarkeit von Inhalten und konträren Perspektiven herrscht auch hier eine klare Abtrennung von Gruppen", sagen die Wissenschaftler.

Besonders bedenklich ist dies ihrer Meinung nach angesichts der Tatsache, dass viele der sozial relevanten Themen und Nachrichten erst durch unterschiedliche Perspektiven und Ansichten in ihrer Komplexität verständlich werden. Fakenews und Nachrichten aus unseriösen Quellen zu markieren, wie es Google und Facebook praktizieren wollen, helfe daher nur bedingt gegen das Problem der Desinformation und der parallelen Meinungswelten im Netz.

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