Rechnen ist ein Kinderspiel

 Bereits fünfjährige Kinder verfügen über ein intuitives Zahlenverständnis. Gezeigt sind Beispielaufgaben aus den Experimenten der Psychologen um Elizabeth Spelke. Grafik: Camilla Gilmore
Bereits fünfjährige Kinder verfügen über ein intuitives Zahlenverständnis. Gezeigt sind Beispielaufgaben aus den Experimenten der Psychologen um Elizabeth Spelke. Grafik: Camilla Gilmore
Kinder können schon im Alter von fünf bis sechs Jahren die Addition oder Subtraktion zweier großer Zahlen ungefähr abschätzen. Über dieses intuitive Zahlenverständnis verfügen sie schon, bevor der erste formale Mathematikunterricht in der Schule einsetzt, haben Psychologen um die Harvard-Wissenschaftlerin Elizabeth Spelke herausgefunden. Aufgaben wie "Sarah hat 21 Bonbons und bekommt 30 dazu. John hat 34 Bonbons. Wer hat mehr?" konnten die Kindergartenkinder zu 65 Prozent richtig beantworten. Die Kinder tippen also nicht wahllos, sondern verfügen bereits über eine intuitive Fähigkeit, Zahlen und Mengen einzuschätzen und zu verknüpfen. Mithilfe der Ergebnisse könnte auch der Schulunterricht in Mathematik attraktiver und motivierender für die Kinder gestaltet werden, schreiben die Forscher.
Die Forscher untersuchten das Zahlenverständnis, indem sie den Kindern verschiedene Bildchen von Bonbons, Stickern, Keksen oder Spielsachen zeigten. Aufgedruckt auf diese Gegenstände waren Zahlen im Bereich von 5 bis 98. Mithilfe dieser Anordnung wurden dann Rechenaufgaben fürs Addieren, Subtrahieren oder zum Vergleichen von Zahlen formuliert. Eine Subtraktionsaufgabe war beispielsweise "Sarah hat 64 Kekse und gibt 13 ab. John hat 34 Kekse. Wer hat mehr?" Bei allen Aufgabentypen schnitten die Kinder besser ab, als wenn sie geraten hätten. Die Forscher schließen daraus, dass die Kinder bereits über die Fähigkeit zum Abschätzen von großen Zahlen und einfachen Rechenoperationen verfügen, noch bevor sie das mathematisch exakte Rechnen in der Schule lernen.

Das Erlernen der Addition und Subtraktion formaler Zahlen ist für Kinder langwierig und schwierig, und die Schulmathematik lässt nur die eine exakte Lösung einer Additions- oder Subtraktionsaufgabe zu, schreiben die Wissenschaftler. Häufig führt das zu Frustrationserlebnissen, wenn das Ergebnis nicht ganz korrekt ist. Wie die neue Studie zeigt, verfügen die werdenden Schüler jedoch schon über ein intuitives, allerdings nicht exaktes Abschätzungsvermögen bei Rechenaufgaben. Die Forscher wollen nun untersuchen, wie dieses Vermögen genutzt werden kann, um die exakte Rechenwelt mit formalen Zahlen den Kindern besser zu vermitteln.
Elizabeth Spelke (Harvard-Universität, Cambridge) et al.: Nature, Bd. 447, S. 589

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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