ESA steigt in Anti-Schwerkraft-Forschung ein

Die europäische Raumfahrtbehörde ESA steht kurz vor dem Beginn eines eigenen Programms zur Erforschung von Anti-Schwerkraft-Systemen. Ein Expertenteam hat bereits mehr als ein Dutzend verschiedene Vorschläge zur teilweisen Aufhebung der Schwerkraft überprüft und drei potenzielle Kandidaten identifiziert, die weiterverfolgt werden sollen. Darüber berichtet das britische Wissenschaftsblatt New Scientist.
Die von Orfeu Bertolami and Martin Tajmar verfasste Studie untersucht mehrere in der Fachpresse diskutierte Vorschläge zur Beeinflussung oder Aufhebung der Schwerkraft und wurde vor wenigen Tagen im Los Alamos Archiv veröffentlicht. An den meisten der Vorschläge lassen die Forscher kein gutes Haar ? entweder sind ihre Einflüsse auf die Schwerkraft zu schwach, oder sie verstoßen gegen grundlegende physikalische Gesetze.

Drei Theorien sollen allerdings in dem geplanten ESA-Programm weiterverfolgt werden. Die erste befasst sich mit den Ursachen der merkwürdigen Flugbahnen der Raumsonden Pioneer 10 und 11. Diese lassen bislang sich nicht mit den Einflüssen der Schwerkraft bekannter Massen in unserem Sonnensystem erklären. Die geplante Sputnik-5-Mission soll den Ursachen auf die Spur kommen.

Der zweite Vorschlag umfasst für die Internationale Raumstation geplante Experimente mit Antimaterie. Insbesondere soll geklärt werden, ob die Schwerkraft auf diese in anderer Weise wirkt als auf gewöhnliche Materie.

Der dritte von den Forschern ausgewählte Ansatz ist eng mit dem Anti-Schwerkraft Programm des Flugzeuggiganten Boeing verwandt (bdw berichtete im Newsticker). Dieses untersucht den Einfluss rotierender Supraleiter und superfluider Flüssigkeiten auf das über ihnen befindliche Schwerefeld.

Die ESA-Forscher sind sich darüber im klaren, dass derartige Programme niemals zu einer Aufhebung der Schwerkraft oder zu neuen Flugzeugantrieben führen werden. Allerdings wäre selbst eine kleine Veränderung des Schwerefelds von großer Bedeutung für die Herstellung hochreiner Materialien, da sich die Schwerkraft oftmals negativ auf Kristallzüchtungsprozesse auswirkt.
Stefan Maier


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