Streamen für den Klimaschutz

Videogucken per DVD verbraucht mehr Strom als Streamen (thinkstock)

Das Streaming von Filmen ist nicht nur im Trend – es spart auch Energie. Denn das herkömmliche Ausleihen von DVDs in der Videothek oder das Kaufen im Laden verbrauchen deutlich mehr Strom. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher, die das Videoverhalten ihrer Landsleute in puncto Energieverbrauch und CO2-Emissionen genauer unter die Lupe genommen haben. Würden alle US-Amerikaner von DVD auf Streaming umstellen, dann könnten immerhin zwei Milliarden Kilogramm CO2 eingespart werden, so die Wissenschaftler. Allerdings: Steigt die Auflösung der Videodateien weiter, wird auch die Datenübertragung energieaufwändiger.

Videotheken sind über kurz oder lang eine aussterbende Geschäftsform: Im Zeiten von Streaming, Festplattenrekordern und DVD-Versand suchen immer weniger Menschen die lokale Videothek auf, um sich den Film zum Feierabend auszuleihen. Schließlich ist es einfacher, sich das gewünschte Video einfach frei Haus liefern zu lassen – beispielsweise über einen Streaming-Dienst oder auch per DVD-Versand. US-Forscher haben diese Entwicklung zum Anlass genommen, um unseren Videokonsum mal unter einem ganz anderen Gesichtspunkt zu untersuchen: dem Klimaschutz. Oder genauer gesagt der Menge an Kohlendioxid (CO2), die für das Streamen, DVD-Ausleihen oder den DVD-Versand anfällt. Sie ermittelten in ihrer Studie damit quasi den CO2-Fußabdruck dieser Video-Varianten.

Rein zeitlich gemessen gehört das Anschauen von Filmen, Serien und sonstigen Videos heute definitiv zu den Top-Freizeitbeschäftigungen: Allein in den USA verbrachten die Menschen im Jahr 2011 geschätzte 17,2 Milliarden Stunden damit, DVDs zu schauen, wie Arman Sherabi vom Lawrence Berkeley National Laboratory und seine Kollegen berichten. Auf das Streaming von Filmen und Serien entfielen immerhin schon 3,23 Milliarden Stunden – Tendenz steigend. Um zu vergleichen, wie viel Energie die verschiedenen Formen des Videoschauens verbrauchen und wie viel CO2 dafür freigesetzt wird, betrachteten die Forscher vier Varianten des Filmkonsums: Das Ausleihen von DVDs in der Videothek, das Ausleihen oder Kaufen über den Online-Versand, das Kaufen von DVDs im Laden und das Streaming von Serien und Filmen über das Internet. Für alle vier Formen berechneten sie den Energieverbrauch der Geräte – DVD-Player versus Server und Computer oder Smart-TV, aber auch die Energie, die für Herstellung der Datenträger, den Transport und die Fahrt zum Laden aufgewendet werden muss.

Stromproduktion von sechs Kraftwerken

Das Ergebnis: Insgesamt wurde 2011 in den USA die gewaltige Menge von 192 Petajoule an Energie allein für das Anschauen von Videos per DVD oder Streaming verbraucht. Das entspricht der Strom-Jahresproduktion von mehr als sechs 1.000 Megawatt-Kraftwerken. Um diese Energie zu erzeugen, wurden zudem 10,4 Milliarden Kilogramm CO2 freigesetzt. Wie die Forscher berichten, gab es dabei aber durchaus Unterschiede zwischen den Konsumarten: Das Streaming erwies sich in puncto Energieverbrauch als sparsamste Lösung, vor allem dann, wenn es auf Computern oder Tablets erfolgt. Eine Stunde Streamen verbrauchte demnach durchschnittlich 7,9 Megajoule Energie, eine Stunde DVD-Schauen 12 Megajoule. "Würde man alle 2011 in den USA auf DVD angeschauten Filme durch Streaming ersetzen, dann hätte man rund zwei Milliarden Kilogramm CO2-Emissionen einsparen können und 30 Petajoule an Energie", so Sherabi und seine Kollegen. Das ist immerhin genug Strom, um rund 200.000 US-Haushalte ein Jahr mit Energie zu versorgen.

Die Gründe für die Unterschiede: Bei der DVD schlägt zu Buche, dass viele DVD-Player schon älter sind und mehr Strom verbrauchen als vergleichsweise moderne Computer, Tablets oder Smart-TVs. "Ein Großteil der Energieersparnis beim Wechsel zum Streaming ist auf das Umsteigen auf effizientere Endgeräte zurückzuführen", berichten die Forscher. Der Besuch in der Videothek oder im Laden erhöht den Verbrauch dann nochmal, denn meist wird dafür – zumindest in den USA – das Auto genutzt. Beim Streamen wird ein Großteil der Energie durch die Datenübertragung selbst verbraucht, den zweitgrößten Part haben die Endgeräte. Entgegen landläufiger Annahme machen die Serverzentren und die sonstige Internet-Infrastruktur dagegen weniger als ein Prozent des Gesamtverbrauchs beim Streamen aus.

Allerdings könnte der momentane Vorteil des Streamens in Zukunft verloren gehen: "Steigt die Rate der Datenübertragung durch hochaufgelöstere, komplexere Videoinhalte weiter an, dann könnte dies den Stromverbrauch des Streaming drastisch erhöhen – über das des DVD-Anschauens hinaus", betonen die Forscher. Das Wissen darum, wo am meisten Energie verloren geht, kann ihrer Ansicht nach dazu beitragen, künftige Technologien entsprechend zu optimieren. "Gerätehersteller und Entscheider sollten sich künftig darauf konzentrieren, vor allem die Energieeffizienz der Abspielgeräte und der Datenübertragung zu steigern", sagt Shehabi. Denn in Zukunft werden immer mehr Menschen den bequemen Weg des Streamens wählen, gleichzeitig werden die Filmdateien immer größer. Hier gibt es daher noch einigen Raum für eine Optimierung.

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