Tesla-Crash: Das Ende des Autopiloten?

Der Autopilot im Tesla S kann den Wagen allein durch den Verkehr steuern. Allerdings sollte der Fahrer stets die Hände am Steuer haben, um notfalls eingreifen zu können. (Foto: Bloomberg/Getty Images)

Automobilexperten sind überzeugt: Der tödliche Unfall eines selbstfahrenden Wagens in den USA wird die autonomen Fahrzeuge nicht aufhalten.

von Tim Schröder

Leseprobe aus bild der wissenschaft 10/2016

Im Mai 2016 kam es zum ersten Mal zu einem tödlichen Unfall bei einem selbstfahrenden Auto. Das Elektrofahrzeug vom Typ Tesla S war an einer Kreuzung gegen einen Lkw geprallt. Das Bildverarbeitungssystem in dem per Autopilot gesteuerten Wagen hatte die drohende Kollision nicht bemerkt. Der Unfall entfachte eine Debatte um die Risiken und die Zukunft des automatisierten Fahrens. bild der wissenschaft gibt Antworten auf neun wichtige Fragen dazu.

Zerstört der Unfall das Image des autonomen Fahrens?

Der Tesla S war bis Juli 2016 eine der beliebtesten Luxuslimousinen in den USA. Weltweit wurden bis Ende 2015 gut 100.000 Stück verkauft. Automobilexperten hatten schon seit Längerem davor gewarnt, dass der Autopilot des Tesla S einen schweren Unfall verursachen könne. Und man fürchtete, dass das autonome Fahren dadurch insgesamt einen Imageschaden bekäme. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Ein Indiz dafür ist, dass sich der Kurs der Tesla-Aktie nach einem kurzen Kurseinbruch nach Bekanntwerden des Unfalls rasch wieder erholte. "Zwar ist Tesla auf negative Weise ins Blickfeld gerückt, auf das autonome Fahren als Ganzes aber scheint das nicht abzufärben. Vielmehr hat das Thema dadurch mehr Öffentlichkeit bekommen", sagt Reiner Kriesten vom Institut für Energieeffiziente Mobilität (IEEM) an der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft. Für seinen Kollegen, IEEM-Sprecher Peter Neugebauer, hängt das Image auch von der Reaktion der Medien ab, "davon, ob die Medien den Vorfall verantwortungsvoll aufnehmen und diskutieren, ohne die derzeit leider bei vielen Themen üblichen Shitstorms". Bislang ist ein medialer Shitstorm gegen Tesla und das autonome Fahren ausgeblieben.

Peter Neugebauer erinnert ans Schicksal der damals neuen A-Klasse von Mercedes. Die Wagen waren 1997 beim "Elchtest", einem ruckartigen Spurwechsel, leicht umgekippt. Die Folge war ein riesiger Gesichtsverlust. Die Firma entwickelte daraufhin zusammen mit dem Zulieferer Bosch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Damit ausgerüstet, verkaufte sich die A-Klasse blendend. Ein anfängliches Desaster muss also nicht zwangsläufig auf Dauer zu einem Imageverlust führen.

Wie groß ist das Risiko?

Nach dem Unfall wies Tesla-Chef Elon Musk darauf hin, dass die Tesla S-Fahrzeuge insgesamt bereits 210 Millionen Kilometer ohne einen tödlichen Crash zurückgelegt hätten. Damit seien sie besser als der Durchschnitt laut US-Unfallstatistik, nach der es alle 145 Millionen Kilometer einen Unfall mit Todesfolge gibt. Risikoforscher betonen aber, dass sich mit einem einzigen tödlichen Unfall noch keine Statistik schreiben lässt.

Auch für das autonome Fahren generell ist noch keine Aussage möglich, weil andere automatisierte Autos in der Regel von einem Fahrer überwacht werden. Wenn es brenzlig wird, schaltet sich der Mensch ein. Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie am Karlsruher Institut für Tech­nologie betont, dass es voraussichtlich beim autonomen Fahren auch künftig zu Unfällen kommen wird. "Wie die Technikgeschichte und auch dieser Unfall zeigen, durchschreiten viele neue technologische Entwicklungen zunächst eine Phase, in der es Probleme gibt." Ziel ist, diese durch eine vorsichtige und schrittweise Entwicklung möglichst zu vermeiden. Unglücksfälle, die trotzdem passieren, sollte man genau untersuchen und das gewonnene Wissen nutzen, um die Technologie sicherer zu machen. In der Regel trifft es den, der vorprescht. In diesem Fall war das Tesla.

Lassen sich Unfälle künftig vermeiden?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind Pkw in Deutschland mit einem Anteil von 68 Prozent Hauptverursacher von Verkehrsunfällen. Jedes Jahr ereignen sich knapp 200.000 Unfälle mit Verletzten. Im Schnitt alle 2,7 Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch im Straßenverkehr. Die Tendenz war über die letzten Jahrzehnte deutlich fallend. Da 93,5 Prozent der Unfälle auf Fehler der Fahrer zurückzuführen sind, kann man erwarten, dass die Zahl künftig abnimmt.

Denn ­Assistenzsysteme, die mit Ultraschall, Radar oder Infrarot arbeiten, ­können Entfernungen und Geschwindigkeiten besser abschätzen als der Mensch. Zudem lassen sie sich nicht ablenken. Und sie ermüden nicht. Andererseits ist anzunehmen, dass automatisierte Fahrzeuge künftig aufgrund technischer Fehler Unfälle bauen. Viele Softwareprodukte haben ihre Macken – trotz vorangehender Tests, Computer können abstürzen. Insofern könnte künftig auch ein Auto­pilot versagen.

In der Summe, schätzen Experten, dürften Autopiloten die Zahl der Unfälle verringern. Doch genaue Zahlen gibt es noch nicht, weil niemand weiß, welche Technologie künftig in serienmäßigen Autopiloten stecken wird. Unklar ist auch, wie der Autopilot in Situationen reagieren wird, bei denen der Mensch ihm derzeit noch überlegen ist – etwa, wenn es darum geht, eine Gefahr vorauszusehen. Spielen beispielsweise Kinder am Straßenrand, könnte eines auf die Fahrbahn laufen. Für solche Situationen muss der Autopilot noch fit gemacht werden.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag mit Antworten auf neun brennende Fragen zum autonomen Fahren in der aktuellen Oktoberausgabe von bild der wissenschaft.

   

  
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