Wie der Neandertaler sprach
Wissenschaftler haben erstmals den Stimmtrakt des Neandertalers nachgebaut. Demnach waren Neandertaler nicht in der Lage, bestimmte Vokale zu produzieren, die die Grundlage unserer heutigen Sprache bilden, sagte der Forscher Robert McCarthy bei einem Treffen der amerikanischen Vereinigung für physikalische Anthropologie. Seine Arbeitsgruppe hatte auf Grundlage des rekonstruierten Stimmtrakts den Klang des Lautes "i" beim Neandertaler simuliert. Der Unterschied zur heutigen Aussprache sei zwar gering, dennoch war das Artikulationsvermögen des Neandertalers im Vergleich zum heutigen Menschen beschränkt, erklärt McCarthy.
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Basierend auf 50.000 Jahre alten Neandertaler-Fossilien aus Frankreich rekonstruierte Lieberman nun zusammen mit McCarthy den Klang des Vokals "i", gesprochen von einem Neandertaler. Im Gegensatz zum modernen Menschen konnte dieser keine sogenannten quantalen Vokale erzeugen, fanden die Forscher heraus. Diese Vokale erlauben es dem Hörer, geringe Varianzen zu unterscheiden, etwa die zwischen den Worten "Ritt" und "riet". Laut McCarthy ist dieser Unterschied zwar geringfügig, dennoch hätte er das Sprachvermögen der Neandertaler eingeschränkt.
Erst im vergangenen Jahr hatten Forscher festgestellt, dass der Neandertaler vermutlich die gleiche Fähigkeit besaß, eine Sprache zu entwickeln, wie der moderne Mensch: Beide besitzen das Gen FOXP2, das eine wichtige Rolle beim Spracherwerb und der Entwicklung von Grammatik spielt. Menschen ohne dieses Gen leiden unter Sprachstörungen.
Zum Anhören: Rekonstruierter i-Laut eines Neandertalerlautes und zum Vergleich der entsprechende Vokal, gesprochen von einem modernen Menschen
New Scientist, Onlinedienst vom 15. April
ddp/wissenschaft.de – Michael Böddeker

















