Safer Sex bei der Schnirkelschnecke
Schnecken machen es immer mit. Sie stülpen über jedes Spermium ein "Kondom", wie Forscher der Universität Basel jetzt bei der gefleckten Schnirkelschnecke entdeckt haben. Die Hülle verhindert aber nicht Nachkommen mit dem Geschlechtspartner, sondern bewahrt die zwittrigen Tiere vor einer Selbstbefruchtung, vermutet Forschungsleiter Martin Haase.
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Eine Selbstbefruchtung soll nur dann stattfinden, wenn die Schnecke über längere Zeit keinen geeigneten Partner gefunden hat, erklärt Haase vom Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel. Denn Sex hat gegenüber der Selbstbefruchtung bedeutende Vorteile. Durch die Paarung entstehen immer grundsätzlich neue Individuen. Diese Vielfalt macht es der Schneckenpopulation einfacher, sich an neue Umgebungen anzupassen.
Nie ohne "Gummi" "Aus anatomischen Gründen müssen die Eier aber auf dem Weg zur Befruchtungskammer, wo die fremden Spermien lagern, erst an den eigenen Samenzellen vorbei," sagt Haase. Bisher war nicht bekannt, wie die Schnecken dabei die Selbstbefruchtung verhindern. Auf Aufnahmen mit einem Elektromikroskop haben Haase und seine Forscherkollegen Nenad Bojat und Ursula Sauder die Lösung des Rätsels entdeckt. "Die Spitze des Spermienkopfs ist von einer Art Scheide umgeben, die erst in der Befruchtungskammer des Empfängerindividuums abgestreift wird," so Haase.
Beim Abstreifen ändert die Samenzelle ihre Form, wie die Forscher feststellten. Mit "Kondom" steht die Spermienspitze im rechten Winkel von der Zellachse ab. Wenn die Samenzelle bereit zur Befruchtung des Eis in der Befruchtungskammer lagert und die Hülle abgestreift hat, steht der Spermienkopf in gerade Linie mit der Zellachse. Die Bedeutung dieses Umklappens der Zellspitze ist den Basler Forschern noch unklar. Vielleicht ist der Mechanismus neben der Hülle ein weiterer Schutz vor einer Selbstbefruchtung.
Liebhaber nach dem Sex wählen
Die Spermienspitze stellt jedenfalls den Kontakt zum Ei her – sofern die Schnecke die Samenzelle für eine Befruchtung auswählt. Erst wird das ankommende Spermium nämlich von haarähnlichen Strukturen in Seitengängen der Befruchtungskammer verstaut. Wie Haase schon 1995 zusammen mit dem Forscher Bruno Baur herausgefunden hat, werden die Spermien nicht gleichmäßig auf die Seitengänge verteilt. Die Forscher vermuteten deshalb, dass die Schnecke gezielt unter den Spermien von den verschiedenen Liebhabern, die gleichzeitig in der Befruchtungskammer lagern, jene für die Befruchtung auswählen kann. "Wir wissen allerdings nicht, ob die Schnecke überhaupt die muskulären und neuronalen Fähigkeiten hat, unter den Spermien der verschiedenen Liebhaber gezielt auszuwählen," sagt Haase. Weitere Arbeiten sollen klären, ob Schnecken tatsächlich zur sogenannten Postmating Sexual Selection fähig sind, also der Auswahl des Geschlechtspartners nach der Kopulation.
Fränzi Humair,
Bilder: von M. Haase zur Verfügung gestellt





















