Die Seidenstraße
Die Seidenstraße - die älteste Handelsverbindung der Erde Es war ein deutscher Geograph, Ferdinand von Richthofen, der erst Mitte des 19. Jahrehunderts der berühmten Karavanenstraße ihren Namen gab. Er nannte sie Seidenstraße aufgrund eines der wichtigsten Güter, die auf ihr von China durch Zentralasien nach Westasien, bis hin zum Mittelmeer transportiert wurden - der Seide.
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Seitdem ist diese Bezeichnung nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Zwar weiß man inzwischen, daß nicht nur Seide transportiert wurde und daß es mehrere Handelswege zwischen dem Reich der Mitte und Fernwest gab, doch das hat an dem "Mythos Seidenstraße" nichts geändert. Bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus bereiste General Zhang Qian die Ost-West-Route und brachte damit die Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) mit vielen zentralasiatischen Königreichen in politischen Kontakt.
Die großen Karavanen mit bis zu tausend Kamelen starteten in der Stadt Chang´an (heute Xi´an). Während ihrer Blütezeit unter der Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Ch.) war die heutige Metropole der Provinz Shaanxi eine multikulturelle Zwei-Millionenstadt mit über 5.000 Ausländern. Nördlich der Stadt, die rund einem Dutzend chinesischer Kaiser-Dynastien als Residenz diente, befinden sich die, vor allem wegen der Trockenheit gut erhaltenen, bombastischen Grabanlagen der absolutistischen Herrscher. Gleich einer 150 Kilometer langen Perlenschnur reihen sich die Monumentalgräber der Tang-Dynastie entlang des Bergmassivs im Norden, darunter das weltbekannte Mausoleum des Ersten Kaisers Qin Shihuang (221 bis 206 v. Chr.) mit seiner spektakulären Terrakotta-Armee.
Weiter westwärts bei Dunhuang teilte sich die Hauptader der Handelsroute in einen nördlichen und einen südlichen Strang. Dazwischen lag die Takla-Makan, die größte zusammenhängende Salzwüste der Welt, mit 75 Grad Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter. Im Hochsommer reisten die Karavanen während der Nacht. Die Angst vor den berüchtigten Wüstendämonen war wohl geringer als die vor der sengenden Hitze. Wenn die beiden Wege in Kashi (Kaschgar) wieder zusammentrafen, lagen hinter den transportierten Gütern etwa 3500 Kilometer und eine fünfmonatige Reisezeit. Auf dieser Strecke, der sogenannten "Todespiste", waren die meisten Opfer aufgrund von Wassermangel, Sandstürmen oder Wegelagerern zu beklagen. Insgesamt dauerte eine Karavanenreise von China zum Mittelmeer und zurück etwa sechs bis acht Jahre.
Gewöhnlicherweise eskortierten die chinesischen Händler ihre Ware nicht den gesamten Weg nach Westen, sondern nur kurze Distanzen, beispielsweise bis Dunhuang oder jenseits der Großen Mauer nach Jinchang. Dort wurden sie an zentralasiatische Mittelsmänner verkauft oder getauscht, die die Handelsware zu den Städten der persischen, syrischenen und griechischen Kaufleute weitertrugen. Jede Transaktion erhöhte natürlich die Kosten der Güter, zu denen Seide, Porzellan, Gewürze, Parfume, Tee und Samen von Orangen, Pfirsichen und anderen Bäumen gehörten. Auf ihrem Weg zurück brachten die die Händler Gold, Silber, Elfenbein, Jade, Trauben und Wein sowie europäische Delikatessen wie Feigen und Walnüsse aus dem Westen mit. Es wurden nicht nur die Waren getauscht, sondern auch das Gedankengut. Zu den religiösen Ideen, die über die Seidenstraße ins Land kamen, gehörten neben dem Judentum das nestorianische Christentum, der Zoroastrismus, der Manichiäismus, der Hinduismus und der Buddhismus.
Endlich in Kashi angekommen, machten sich die Karavanen für die nächsten großeren Anstrengungen bereit. Mehrere Pfade führten von hier aus entweder nördlich zum Schwarzen Meer, westwärts über das Pamir-Gebirge nach Persien oder zum Mittelmeer. Andere verliefen im Süden über die Karakorum-Kette nach Afghanistan und Indien. Mit der rauen und langen Überquerung einiger der höchsten Gebirgspässe der Erde war endlich für Mensch und Tier der letzte schwierige Teil der Strecke überwunden.
Der Niedergang des frühzeitlichen Highways wurde gegen Ende des achten Jahrhunderts eingeleitet, als sich die Seewege von der südlichen Küstenstadt Kanton (Guangzhou) zum Mittleren Osten immer besser entwickelten. Der Untergang der Tang-Dynastie führte zu einem politischen Chaos und instabilen ökonomischen Verhältnissen, weshalb die Einfuhr von extravaganten, ausländischen Produkten nicht mehr so stark gefördert werden konnte. Die fanatische Verbreitung des Islam - ausgehend vom Mittleren Osten - trug wesentlich zum Verschwinden der Buddhistischen Zivilisation entlang der Seidenstraße bei. Schließlich schottete die Ming-Dynastie (1368-1644) China völlig von der Außenwelt ab. Damit endete der über Jahrhunderte anhaltende Einfluß von fremden Ideen und Kulturen.
Susanne Roth

















