Kleine Helfer: Immer mehr Mediziner heilen mit Bakterien
Zahlenmäßig sind wir unterlegen: Auf und in unseren Körpern leben zehnmal mehr Bakterien, als wir Zellen haben. Die winzigen Mitbewohner machen uns zwar manchmal krank, sie helfen uns aber auch vor allem beim Verdauen, halten krankmachende Keime fern und die Immunabwehr auf Trab. Schon lange schwimmen deshalb helfende Laktobazillen und Bifidusbakterien in probiotischen Joghurts. Nun entdecken auch immer mehr Mediziner die heilende Kraft von Bakterien.
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Die Londoner Mediziner um Aloysius D’Souza fassten kürzlich mehrere Studien zur Frage zusammen, ob probiotische Bakterien die Darmflora vor den vernichtenden Effekten von Antibiotika schützen können. Insgesamt fanden sie einen deutlichen Nutzen: Patienten, die zusätzlich zu den Antibiotika auch Bakterien schluckten, erkrankten um beinahe 40 Prozent seltener an Durchfall. Die Bakterien hatten vermutlich die durch die Behandlung in Mitleidenschaft gezogene Darmflora ersetzt.
Die kleinen Helfer können aber auch krankmachende Keime verdrängen oder die Immunabwehr gegen Eindringlinge stärken. So behandelten schwedische Ärzte Kinder, die an einer Mittelohrentzündung gelitten hatten, mit einem Nasenspray mit Streptokokken. Die Bakterien schützten die Kleinen effektiv vor einer Wiedererkrankung. Andere Mediziner heilten Dickdarm- und Blasenentzündungen mit probiotischen Bakterien. Selbst gegen Nahrungsmittelallergien und Krebs und zur Senkung des Cholesterinspiegels könnten Mikroben helfen. Mittlerweile fassen Ärzte die Behandlungen unter einem Begriff zusammen: die Bakteriotherapie.
Die probiotischen Bakterien sollen nun auch Krankheiten vorbeugen. Jeffrey Hillman von der Universität Florida schlägt vor, bei Kindern mit Bakterien-Sprays gegen Karieskeime vorzugehen. In Ratten zumindest funktioniert es: Der Forscher verdrängte Karieserreger erfolgreich mit harmlosen Streptokokken. Der Kanadier Gregor Reid testete die Schutzwirkung von Laktobazillen bei Ratten: Er setzte den Nagern den Eitererreger Staphylokokkus aureus in Wunden. Einigen Tieren verabreichte er zusätzlich die schützenden Laktobazillen. Deren Wunden entzündeten sich deutlich seltener. Die nützlichen Bakterien sollen vor allem dann zum Zuge kommen, wenn bei Infektionen Antibiotika versagen, schlägt der Finne Pentti Huovinen vor. Gerade bei Staphylokokkus aureus kennen Forscher mittlerweile viele Typen, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind.



















