Der Schein trügt: Scheinbehandlungen helfen wirklich heilen
Placeboeffekte lindern Schmerzen und psychische Erkrankungen. Welche starke Reaktionen Scheinbehandlungen im Körper auslösen, verstehen Wissenschaftler heute immer besser. Durch spezielle Verhaltensweisen könnten Ärzte die Wirkung weiter verstärken.
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Die Heilwirkung von Scheinbehandlungen gilt Pharmafirmen und Medizinern häufig als störender Nebeneffekt. Testen sie in klinischen Studien neue Medikamente, versuchen sie diese so genannten Placeboeffekte möglichst auszuschalten. Wie effektiv solche Scheinbehandlungen sein können, haben nun neue Versuche gezeigt: Forscher konnten mehrere, genau definierte Wirkungen von Placebos auf das Gehirn und andere Organe nachweisen. Dieses Potenzial sollten Ärzte gezielter nutzen als bisher, fordern Experten.
Am besten erforscht ist die Wirkung von Placebos bei Patienten mit Schmerzen. Forscher vermuten, dass sie die Ausschüttung von körpereigenen Opiaten fördern und so Schmerzen lindern. Darauf weist die schon länger bekannte Tatsache hin, dass der Wirkstoff Naloxon die Placebowirkung vermeintlicher Schmerzmittel blockieren kann. Das Mittel hemmt Opiate, zu denen viele schmerzlindernde Medikamente wie Morphium gehören.
Schwedische Forscher konnten die Vermutung von der ähnlichen Wirkung von Opiaten und Placebos kürzlich untermauern. Das Team um Predrag Petrovic vom Karolinska-Institut in Stockholm presste Versuchspersonen ein 48 Grad Celsius heißes Metallstück auf die Hand und verabreichte ihnen entweder ein Schmerzmittel oder ein Scheinmedikament. Dabei beobachteten sie die Aktivität des Gehirns: Die Bilder der beiden Versuchgruppen waren nicht zu unterscheiden. Sowohl Schmerzmittel, als auch Placebos aktivierten den Blutfluss im Hirnstamm und im so genannten Anterior-Cingulate-Cortex, einer wichtigen Schaltstelle im Gehirn. Auch linderten beide Behandlungsmethoden die Schmerzen, wobei die Schmerzmittel etwas effektiver waren als die Placebos.



















