Die Vorzeichen richtig deuten: Wie Wissenschaftler lernen, Erdbeben vorherzusagen
Schon heute können Erdbeben vorhergesagt werden: allerdings nur Sekunden bis einige Minuten vor den Erdstößen – Zeit genug, um Strom und Gas abzustellen und Alarm auszulösen. Doch auch das langfristige Risiko eines Erdbebens kann heute sicherer angegeben werden. Modelle und neue Messtechnik werden die Vorhersagen weiter verbessern. So verwenden deutsche Wissenschaftler Sonden, um elektrische Spannungen in der Erde zu messen und daraus die Gefahr eines Erdrutsches oder Vulkanausbruches abzuleiten. Solche Technik könnte künftig auch bei der Erdbebenvorhersage helfen.
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Nur 45 Sekunden bebt die Erde. Doch für die türkische Stadt Izmit ist es das Ende der Normalität: Gebäude stürzen zusammen, nach wenigen Sekunden fällt der Strom aus, Gas- und Wasserleitung bersten. 18.000 Menschen sterben bei diesem Beben vor vier Jahren. Sie sind eingeschlossen unter Trümmern oder kommen bei den Bränden in den darauf folgenden Tagen um.
Leid und Schaden solcher Katastrophen ließen sich lindern, könnten Forscher nur Erdbeben verlässlich und rechtzeitig vorhersagen. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren Fortschritte: Es gibt Systeme, die einige Sekunden bis Minuten vor einem Beben Alarm schlagen, Strom und Gas automatisch abschalten und den Rettungsdiensten vorab die voraussichtlich am schwersten betroffene Region vorhersagen. Ein solches System wird beispielsweise seit einigen Wochen im Erdbebengebiet Südkaliforniens getestet.
Solche Vorwarnungen beruhen darauf, dass der Herd eines Bebens meist außerhalb der Städte liegt. Die Erdbebenwellen brauchen Zeit, um diese zu erreichen. Werden sie am Herd rechtzeitig erfasst, so kann die Stadt noch ihrem Eintreffen Bebens gewarnt werden, denn die Bebenwelle ist langsamer als die Datenübertragung. So gelang es beispielsweise in Mexiko bereits, eine Minute vor einem Beben Alarm auszulösen und U-Bahnen zu stoppen.
Doch auch für größere Zeitspannen von Jahrzehnten lässt sich mittlerweile das Risiko eines Bebens angeben. "Diese langfristigen Vorhersagen sind erheblich verbessert worden, da heute auch die Geschwindigkeit berücksichtigt wird, mit der sich die Platten bewegen", erläutert Jochen Zschau, Professor für Geologie am GeoForschungsZentrum in Potsdam. Wo Kontinentalplatten aufeinanderprallen, kommt es häufig zu Erdbeben.



















