Neue Studien zeigen: Verhaltensstörung ADHS ist mindestens zur Hälfte genetisch bedingt
Besonders Kinder sind von dem Aufmerksamkeitsmangel-Syndrom ADHS betroffen. Wie man den kleinen Zappelphilippen, Tran-Susen und Tagträumern helfen kann, darüber streiten sich die Forscher bis heute. Dagegen stimmen sie bei der Frage der Ursachen weitgehend überein: Die Verhaltensauffälligkeit ist mindestens zur Hälfte erblich bedingt. Das soziale Umfeld beeinflusst jedoch die Stärke des ADHS und kann es sogar zum Verschwinden bringen.
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Als hätte "Struwwelpeter" sie alle gekannt, so beschreibt das Bilderbuch die verschiedenen Formen des ADHS: Nicht nur der hyperaktive Zappel-Philipp gehört dazu. Auch den verträumten Hans-Guck-in-die-Luft, das unbedachte Paulinchen und den aggressiven Wüterich zählen Forscher heute zu der Verhaltensstörung. Sie alle können sich nur kurze Zeit konzentrieren und sind meistens unaufmerksam. Kinder mit ADHS tun sich schwer, in der Schule zu folgen.
Drei bis fünf Prozent der Schulkinder leiden an der Verhaltensstörung, sagt die Mehrzahl der Studien. "Je nach zu Grunde gelegten Bewertungskriterien findet man aber auch erheblich mehr oder weniger betroffene Kinder", berichtet Professor Peter Schlottke vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen. Aus seiner Praxis könne er bestätigen, dass es immer wieder Fehldiagnosen gebe.
"Grundsätzlich kann der Fachmann die Verhaltensstörung jedoch heute eindeutig diagnostizieren", betont Klaus-Peter Lesch, Professor der Klinik für Psychotherapie und Psychotherapie der Universität Würzburg. Mittlerweile gebe es weltweit anerkannte Standards, um ADHS sicher zu erkennen.
Unter solchen "echten" ADHS-Fällen fahnden Forscher weltweit nach Ursachen für das auffällige Verhalten. Mehrere Untersuchungen lassen auf eine starken Einfluss der Gene schließen. Jüngst belegte dies eine Studie an 1452 Zwillingspaaren, die in der Zeitschrift American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde. "Mindestens 50 Prozent des ADHS gehen auf eine genetische Veranlagung zurück", resümiert Schlottke. Auch unter Geschwistern und innerhalb eines Stammbaumes tritt ADHS, wenn, dann gehäuft auf. Allerdings handele es sich nicht um ein Gen, sondern um mehrere Gene, die mitunter das Risiko eines ADHS festschreiben, erläutert Lesch.


















