Luftkammern und Naturkrause: Textilien für die kalte Jahreszeit imitieren das Fell des Eisbären
Das Eisbärenfell ist mit mehreren Finessen für die eisige Kälte gerüstet. Die Haare sind nicht völlig glatt, sondern leicht kraus. Jedes einzelne Haar ist innen hohl und für Strahlung durchlässig, so dass die Wärme direkt auf die Haut des Bären geleitet wird. All diese Effekte versuchen Forscher heute zu nutzen, um intensiv wärmende Bekleidung herzustellen.
ANZEIGE
Wer ein echter Eisbär ist, der friert nicht. Bei frostigen minus 70 Grad Celsius würde zwar jedem Menschen der Atem in der Lunge schmerzen, doch der Polarbär ist bei klirrender Kälte erst so richtig in seinem Element. Ein Grund dafür ist sein Fell: Es ist mit so vielen High-Tech-Raffinessen ausgestattet, dass Frost an ihm abprallt.
Jedes Haar des Tieres ist nämlich innen hohl und mit einem Mikrometer feinen Luftkanal durchzogen. "Luft ist ein schlechter Wärmeleiter", erklärt Heinrich Planck, Direktor des Instituts für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf. "Das ist der gleiche Effekt wie bei der Thermoskanne, die in der Außenwand ebenfalls eine Luftkammer hat." Jedes der luftgefüllten Haare isoliert den Körper des Bären. Hinzu kommt, dass sein Fell im Vergleich zu dem anderer Arten besonders dicht ist. Müsste er auf diesen Isoliereffekt verzichten, bräuchte er eine erheblich dickere Speckschicht. Er würde damit als klobiger, unförmiger Vierbeiner durchs Packeis trotten.
"Heute gibt es verschiedene Hohlfasern, die das Eisbärenhaar imitieren", sagt Planck. Synthetische Fasern wie Polyamid oder Polyester können beim Spinnen problemlos mit einer Pore versehen werden: Der heiße Kunststoff wird beim Spinnen einfach durch eine spezielle Form gedrückt, ehe er zur Faser erstarrt.
Je mehr Luft eingeschlossen ist, desto wärmespendender ist die Kleidung. "Eine Faser ist in der Regel zwischen 15 und 20 Mikrometer dick. Die Wände können aber nicht beliebig dünn werden, sonst knickt die Faser womöglich, weil die Stabilität verloren geht", erklärt Planck gegenüber ddp. "Mikrofasern können gar nicht mit Luftkammer hergestellt werden, da sie zu fein sind", ergänzt Renate Lützkendorf vom Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoffforschung in Rudolstadt. Die Außenhaut würde beim Herstellen zusammenkleben oder spröde werden.























