Rätselhafte Sprachgenies: Warum manche Menschen mehrere Dutzend Sprachen lernen können, ist Wissenschaftlern noch immer unklar
Immer wieder in der Geschichte tauchen Berichte über Menschen auf, die scheinbar mühelos fremde Sprachen lernen können und am Ende ihres Lebens zehn, zwanzig oder sogar mehrere Dutzend Sprachen fließend beherrschen. Hat diese außergewöhnliche Fähigkeit vor allem genetische Ursachen oder ist sie auch erlernt? Wissenschaftler sind sich noch immer uneins, welche Faktoren beim Spracherwerb die entscheidende Rolle spielen – eine Frage, die auch normalbegabte Menschen betrifft.
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Er heißt Ziad Fazah, und sein Genie sieht man ihm auf den ersten Blick gar nicht an: Der 51-jährige Libanese spricht 58 Sprachen fließend, darunter Chinesisch, Thailändisch, Griechisch, Indonesisch, Hindi und Persisch. Die meisten dieser Sprachen hat Fazah sich selbst beigebracht. Dafür brauche es aber sehr viel Ausdauer und Disziplin, erklärt der Multilinguist, der es mit seinem Talent sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft hat. Mit dieser außergewöhnlichen Sprachbegabung steht Fazah aber keinesfalls alleine da: Im Lauf der Geschichte gab es immer wieder solche Sprachgenies. Berühmt wurde beispielsweise der italienische Kardinal Giuseppe Mezzofanti. Er lebte von 1774 bis 1849, sprach fließend über 70 Sprachen und hält somit den Weltrekord für Vielsprachigkeit. Bis heute hält sich das Gerücht, er hätte die Sprachen gelernt, als er fremdsprachigen Gläubigen die Beichte abnahm.
Woran liegt es aber, dass manche Menschen Sprachen mit solch beneidenswerter Leichtigkeit lernen, während andere kaum über das Schulenglisch und ein paar Brocken Urlaubsitalienisch hinauskommen? Katrin Amunts vom Forschungszentrum Jülich ist dieser Frage nachgegangen und hat das Gehirn des deutschen Sprachwunders Emil Krebs untersucht, der bei seinem Tod im Jahr 1930 über 60 Sprachen beherrschte.
Das sogenannte Broca-Zentrum, ein Hirnareal, das für Sprachproduktion verantwortlich ist, war bei Krebs anders strukturiert als bei elf Kontrollhirnen, beobachtete die Wissenschaftlerin. Die "Zellarchitektur" zeigte anders geartete Verschaltungen, wodurch Informationen wohl schneller durch das Sprachzentrum geleitet werden konnte, vermutet Amunts. Doch um von einem eindeutigen Zusammenhang zwischen der Mikrostruktur des Broca-Zentrums und der Sprachbegabung sprechen zu können, müssten mindestens zehn solcher Begabtengehirne untersucht und verglichen werden, erklärt Amunts. Aufgrund ihrer Beobachtungen vermutet die Forscherin aber, dass Sprachbegabung genetisch veranlagt ist.




















