Stress, Freude, Trauer: Wie Umwelteinflüsse die Aktivität der Gene beeinflussen
Nur sehr wenige Krankheiten sind rein erblich bedingt, vielmehr mischt bei den meisten die Umwelt mehr oder weniger stark mit. Dies geschieht vor allem, indem sie Gene an- oder abschaltet. Nun konnten Forscher erstmals nachweisen, wie der Umweltfaktor Stress ein Depressionsgen aktiviert und damit das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt. Auf ähnliche Weise wirken alle erlebten Emotionen wie Trauer, Hunger oder Freude auf die Genschalter ein und können somit krank oder gesund machen.
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Das Erbgut ist das "Buch des Lebens". In ihm steht alles geschrieben, was uns ausmacht. "Sex, Gesundheit, Intelligenz, selbst die Partnerwahl wird mehr oder weniger durch den genetischen Code bestimmt," heißt es beispielsweise in einem aktuellen Magazinbericht. Doch das Buch des Lebens hat sich nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms mittlerweile als höchst eigenwilliges Werk entpuppt: Je nachdem, wie die Umwelt gerade darauf einwirkt, nehmen die Buchstaben darin eine andere Bedeutung an. Es ist ein Buch, das man im Grunde nie schließen und als ausgelesen ins Regal stellen kann, weil seine Aussagen sich ständig wandeln. Während gestern die Gene keinerlei Krankheit signalisierten, können sie ein paar Monate später beispielsweise eine herannahende Depression anzeigen.
"Genen wurde in der Vergangenheit oft eine falsche Bedeutung beigemessen. Es kommt nicht nur auf deren Buchstabenabfolge an, sondern auch darauf, dass Gene durch Signale aus der Umwelt ständig an- und abgeschaltet werden", erklärt Joachim Bauer, Professor der Abteilung Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum in Freiburg.
Jedes Gen wird von solchen Schaltern gesteuert. Sie können durch Umwelteinflüsse, etwa bei Stress, Ärger, Freude oder Trauer beeinflusst werden. Das geschieht über Signalstoffe, die am Gen andocken. "Wenn es hier zu Verstellungen kommt, dann werden wir krank", sagt Bauer. Die Position des Schalters – das "An" oder "Aus" – entscheidet über das Wohlergehen eines Menschen.



















