Spätstart auf Sparflamme: Deutschland bleibt bei der Vorsorge für eine weltweite Grippewelle hinter vielen EU-Nachbarstaaten zurück
Ende der neunziger Jahre forderte die Weltgesundheitsorganisation alle Staaten auf, einen Notfall-Plan für eine weltweite Grippe-Pandemie zu erstellen. Einige EU-Mitgliedsstaaten reagierten prompt. In Deutschland diskutierten wohl die Experten, doch ein Entwurf konnte erst vor gut einem halben Jahr vorgelegt werden. Mittlerweile ist man nach spätem Start dabei den Pandemieplan umzusetzen. Doch Mediziner haben wenig Lob für die bisherigen Bemühungen übrig. An allen Ecken und Enden werde gespart. Viel weniger Medikamente werden eingelagert als in einigen Nachbarländern und Impfstoffkapazitäten sind im Gegensatz zu diesen auch noch nicht in ausreichendem Umfang reserviert.
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Alle hundert Jahre wüten im Schnitt drei Grippewellen mit einem neuartigen, bis dahin unbekannten Virus. Die letzte Welle dieser Art forderte weltweit schätzungsweise eine Million Menschenleben. Sie liegt jedoch fast 40 Jahre zurück, und seither lieben Influenza-Pandemien aus.
"Es ist nicht die Frage, ob sie kommen wird, sondern nur die Frage wann", schätzt Max Kaplan von der Bayerischen Landesärztekammer. Davon ist auch die Weltgesundheitsorganisation WHO überzeugt: Sie forderte bereits 1999 alle Nationen auf, so genannte Pandemiepläne zu entwerfen, um sich für eine weltweite Erkrankungswelle zu rüsten und so im Ernstfall den Influenza-Virus möglichst gut im Schach halten zu können.
Obwohl die deutschen Experten sich unmittelbar nach dem Aufruf der WHO ans Werk machten, verzögerten sich die Arbeiten – hauptsächlich wegen des mühseligen Austauschs im Zuständigkeitsdschungel zwischen Bund und Ländern. Im Jahr 2000 konnten acht EU-Mitgliedsstaaten der EU-15 einen Pandemieplan vorweisen; einzig und allein in Deutschland lag damals noch nicht einmal ein Entwurf vor. Erst im Frühjahr dieses Jahres präsentiert das Robert-Koch-Institut (RKI) die abschließende Fassung des Papiers.
Der Plan macht unmissverständlich deutlich: Eine Influenza kann verheerende Folgen haben. Zwischen 48.000 und 160.000 Menschen würden ohne weitere Vorsorgemaßnahmen sterben, errechnet das RKI. Die Virus-Überwachung müsse ausgebaut und die Infrastruktur, zum Beispiel Krankenhäuser und Arztpraxen, auf eine mögliche Grippe vorbereitet werden.




















