Auf der Suche nach dem Heiligsten der Etrusker
Archäologen glauben, nach jahrhundertelanger Fahndung die sagenhafte Tempelanlage Fanum Voltumnae entdeckt zu haben
Jahrhundertelang haben Forscher nach dem verschollenen zentralen Heiligtum der Etrusker, dem Fanum Voltumnae, gesucht. Jetzt glauben italienische Archäologen, es in Umbrien entdeckt zu haben. Tempelanlage, Brunnen und Straßen passen zu dem, was man über die Versammlungsstätte weiß: Sie diente nicht nur als religiöses, sondern auch als politisches Zentrum und war gleichzeitig Veranstaltungsort für große Volksfeste. Die Ausgrabungen der Italiener sollen nun helfen, mehr über das vergessene Leben der Etrusker zu erfahren.
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Immer wieder taucht es in lateinischen Inschriften und Texten auf: das "Fanum Voltumnae", das zentrale und sagenumwobene Heiligtum der Etrusker – eines Volkes, das von etwa 800 bis 100 vor Christus große Teile des heutigen Italiens beherrschte, eine reiche Kultur besaß, regen Handel trieb und von dem man heute trotzdem nur sehr wenig weiß. Das stellt Archäologen wie Simonetta Stopponi von der Universität Macerata vor ein Problem, denn trotz der häufigen Erwähnungen kommt niemals die Lage des Fanum Voltumnae zur Sprache – wohl deswegen, weil diese in der Römerzeit ohnehin jeder kannte. "Es ist, als würde man heute vom Vatikan sprechen. Da weiß auch jeder, dass der in Rom ist", erklärt Stopponi ihr Dilemma.
Im Laufe der Zeit ging das Wissen um den Standort des Heiligtums jedoch verloren, nicht zuletzt durch die tatkräftige Mithilfe der Römer, die systematisch das etruskische Erbe inklusive Literatur, Bauten und Sprache vernichteten. Doch jetzt hat die Suche möglicherweise ein Ende, berichtet das Magazin "bild der wissenschaft" in seiner April-Ausgabe: Stopponi und ihr Team haben in Umbrien, in der Nähe der kleinen Stadt Orvieto, eine etruskische Tempelanlage gefunden – und sind davon überzeugt, dass es sich dabei um das langgesuchte Heiligtum handelt.
In der Mitte der Fundstelle befinden sich die Überreste eines zwölf Meter langen und sechs Meter breiten Tempels sowie zwei Brunnen, darum herum verstreut rot und schwarz bemalte Reste von Keramikgefäßen, wie sie für Weihegaben an die Götter verwendet wurden. Zwei Straßen führten vom Tempel weg – eine in Richtung Südwesten zur tyrrhenischen Küste und die andere Richtung Süden in die Hügel der Umgebung. Erstere war von Kanälen gesäumt und mit fünf Metern Breite geräumig genug, dass zwei Karren bequem aneinander vorbeipassten. Die zweite war mit sieben Metern eine wahre Prachtstraße und wurde wahrscheinlich für religiöse Prozessionen genutzt.



















