Sitzt im Mittelpunkt der Erde ein natürlicher Kernreaktor?
Die Außenseiter-Theorie des Geophysikers Marvin Herndon ist so stimmig, dass sie kaum länger ignoriert werden kann
Viele Jahre lang hielten die meisten Geophysiker es nicht einmal für nötig, den Theorien von Marvin Herndon von der Transdyne Corporation in San Diego zu widersprechen. Sie ignorierten sie einfach. Auf den ersten Blick klingt seine Behauptung, im Erdmittelpunkt hätte sich auf natürliche Weise ein Kernreaktor gebildet, tatsächlich äußerst spekulativ. Doch seitdem Herndon in Zusammenarbeit mit dem renommierten Oak Ridge National Laboratory im Jahr 2001 zeigen konnte, dass sein Georeaktor das Verhältnis des Heliumisotops He-3 zu He-4 im Erdmantel erklären kann, werden etablierte Geophysiker zunehmend auf ihn aufmerksam.
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Würde Herndons Theorie sich als richtig herausstellen, dann müssten nicht nur unsere Vorstellungen vom Erdkern umgeschrieben werden, sondern auch die Geschichte von der Entstehung des Sonnensystems bekäme eine überraschende Wendung: Die Erde und die anderen inneren Planeten wären demnach nicht aus dem Zusammenstoß von Myriaden von Meteoriten entstanden – wovon die Standardtheorie ausgeht, sondern sie wären die mickrigen Überreste von Jupiter-ähnlichen Gasriesen.
Der Dreh- und Angelpunkt von Herndons Theorie ist sein Widerspruch zu einer grundlegenden geophysikalischen Annahme. "Um 1940 herum nahmen Francis Birch (1903-1992) und andere Wissenschaftler an, dass die chemische Zusammensetzung der Erde einem gewöhnlichen Chondriten gleicht", sagt Herndon und fügt hinzu: "Das war ein gewaltiger Fehler!" Chondrite sind Meteoriten, die – mit Ausnahme von flüchtigen Bestandteilen – in etwa die gleiche chemische Zusammensetzung haben wie die Elemente, die man in den äußeren Schichten der Sonne feststellen kann. "Deshalb gibt es gute Gründe anzunehmen, dass Chondrite die Urmaterie unseres Sonnensystems repräsentieren, aus der auch die Planeten aufgebaut sind", sagt Herndon und stimmt soweit mit Birch überein. "Doch Birch ignorierte, dass es neben den gewöhnlichen noch zwei andere, seltenere Gruppen von Chondriten gibt." Birch wählte die gewöhnlichen Chondriten als Repräsentanten für die chemische Zusammensetzung der Erde, weil sie die weitaus häufigsten sind.



















