Wie das Gehirn moralische Entscheidungen trifft
In einer moralischen Zwickmühle arbeiten Gefühle und Verstand zusammen
Manche Situationen stürzen Menschen in moralische Dilemmas: Sollen sie etwa ein Leben opfern, um fünf andere zu retten? Wie sie sich entscheiden, hängt nicht nur vom Verstand ab, konnten Hirnforscher jetzt mit Hilfe von Menschen mit Hirnverletzungen zeigen: Auch die Emotionen spielen eine wesentliche Rolle. Dabei sind Gefühle und Vernunft Partner, nicht Gegner.
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Es gibt Situationen, die stürzen einen bereits beim bloßen Gedanken daran in ein moralisches Dilemma. Was würden man zum Bespiel tun, wenn eine Straßenbahn außer Kontrolle einen Berg herunterrast und fünf Menschen vor dem Wagen auf den Gleisen stehen? Und wenn es möglich wäre, eine Weiche umzustellen, dabei jedoch eine Person auf dem Nachbargleis ums Leben käme –¬ sollte man die Weiche umstellen? Oder dürfte man einen dicken Mann auf die Schienen stoßen, so dass er den rasenden Zug aufhält?
Keine Frage: Legt man eine Art ethische Kosten-Nutzen-Rechnung zugrunde, wären beide Aktionen besser als einfach abzuwarten. Umfragen ergaben allerdings, dass die beiden Alternativen für die meisten trotz derselben 5-zu-1-Abwägung nicht gleichwertig sind. So würde es der Mehrheit leichter fallen, die Weiche umzustellen als einen Unbeteiligten in den sicheren Tod zu schubsen, schreibt das Magazin "bild der wissenschaft" in seiner Januar-Ausgabe. Doch woran liegt das? Warum fällt die Vorstellung, den Tod eines Menschen sozusagen als notwendiges Übel in Kauf zu nehmen, leichter als die, ihn als Mittel zum Zweck zu benutzen?
Die entscheidende Rolle bei solchen Entscheidungen spielen die Gefühle, werden viele wohl rein intuitiv antworten. Und genau das ist mittlerweile auch durch eine Reihe von Hirnscans belegt, in denen US-Forscher um Joshua Green aus Princeton die Gehirnaktivität von Freiwilligen überwachten, während diese sich verschiedene Situationen vorstellten. Immer dann, wenn die Probanden an ein sogenanntes persönliches moralisches Dilemma dachten – wie etwa das Straßenbahn-Beispiel –werden in ihrem Gehirn Areale aktiv, die Emotionen erzeugen und verarbeiten.


















